Letzte Beiträge

Tom Hillenbrand – Gefährliche Empfehlungen – Ein kulinarischer Krimi

In Paris soll der neue Flagshipstore des legendären Guide Gabin eröffnet werden. Unter den Gästen werden internationale Spitzenköche, Filmstars, Politiker und sogar der französische Staatspräsident erwartet. Gast ist auch Xavier Kieffer, Luxemburger Koch und Lebensgefährte der Firmenchefin Valerie Gabin. Eine Ausstellung von alten Gastro Führern gibt einen Einblick in die Firmengeschichte. Zwei kostbare Exemplare von 1921 und 1939 hatte Valerie aus der Nationalbibliothek ausgeliehen. Während Xavier auf Valeries Eröffnungsrede wartet, mustert er die alten Bücher. Selbst die alten Ausgaben waren sehr aufwendig verarbeitet. Blaues Leder, zweifarbiger Druck, detaillierte Karten in schwarz-weiß mit farbig Markierungen für wichtige Gebäude und Straßen. Valerie erzählt den Gästen aus der Gründungszeit des Guide Gabin durch ihren Großvater, der als Handlungsreisender anfing sich Notizen über Restaurants zu machen. Schließlich kündigt sie den Festredner an, den Präsidenten der Republik. Xavier hatte den Freund von Valerie kennengelernt, als er noch Bürgermeister von Paris war. Während der Rede des Präsidenten springt ein Mann auf die Bühne und hält ein Protestschild in die Kameras. Der Aktivist wird von den Sicherheitskräften überwältigt und abgeführt. Plötzlich geht im Saal das Licht aus. Kurze Zeit später leuchten die Lampen wieder. Als wieder Ruhe einkehrt entdeckt eine Mitarbeiterin das Fehlen des Guide Gabin von 1939. Valerie ist entsetzt. Die Nationalbibliothek verleiht normalerweise keine Originale, aber Valerie hatte den stellvertretenden Leiter mit einer Kiste exquisitem Wein bestochen. Dafür stibitzte er die Bücher für sie. Xavier bietet an die noch vorhandene Ausgabe von 1921 zurückzubringen. Als er vor der Wohnung des Bibliothekars ankommt ist die Tür offen. Xavier betritt die Wohnung und findet den schwer verletzten Mann, der noch ein paar Worte sagt. Während Xavier versucht telefonisch Hilfe zu holen, fallen Schüsse. Der Bibliothekar wird erschossen und Xavier niedergeschlagen. Jetzt ist der Luxemburger Koch persönlich betroffen und er fängt an zu recherchieren. Dabei stößt er auf weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Guide Gabin von 1939. Die Bücher von Tom Hillenbrand sind international erfolgreich. „Gefährliche Empfehlungen“ ist der 5. Kulinarische Krimi mit dem sympathischen Luxemburger Koch Xavier Kieffer. Die Handlung ist auf verschlungenen Pfaden, einem Spionagethriller ähnlich. Es gibt zwei Stories die parallel erzählt werden. Eine Geschichte spielt in der Vergangenheit am Anfang des 2. Weltkriegs. Der Schluss ist überraschend. Tom Hillenbrand würzt den 5. Fall für Xavier Kieffer mit ungewöhnlichen Zutaten.
Text: Jutta Engelmayer
Tom Hillenbrand – Gefährliche Empfehlungen, TB, 9,99 €
Kiwi, 14.01.2017, ISBN 978-3-462-04922-0

Von anderen Planeten lernen! Leif Randt – Planet Magnon

In der heutigen Buchlandschaft finden sich leider nur noch wenig Science-Fiction Romane die fesseln können, eine neue Perspektive auf die Zukunft aufzeigen und uns helfen unsere Gegenwart besser zu verstehen. Aber es gibt Hoffnung. Leif Randt stellt mit „Planet Magnon“ einen raffinierten Zukunftsentwurf in einem fernen Planetensystem vor, der zum Nachdenken anregt. Irgendwo in den Weiten des Alls existiert ein Sonnensystem mit sechs Planeten. Alle relevanten Entscheidungen in der dortigen Zivilisation werden durch ein hochintelligentes Computersystem getroffen. Kriege und gewalttätige Auseinandersetzungen sind unbekannt. Die Gesellschaft ist in Kollektiven organisiert und nur noch mit sich selbst beschäftigt, ohne wirkliches Interesse an der gesamtgesellschaftlichen Struktur. Ziel ist es auf einer sachlichen Ebene den Einfluss des eigenen Kollektivs zu vergrößern. Emotionen spielen eine untergeordnete Rolle. Drogenexperimente und Meditation sind erwünscht. Die gesellschaftlichen Rollen sind verteilt, bis das Kollektiv „Hank“ auf den Plan tritt. Hier herrschen unkonventionelle Ideen. Es wird gestritten, Gewalt ist kein Problem. Schnell wird klar, dass dies für die behütete Gesellschaft zur Bedrohung wird. Leif Randt ist mit diesem Roman ein großer Wurf gelungen. Schon das Konstrukt dieser Geschichte sagt mehr über unsere Gegenwart aus, als uns wahrscheinlich Recht ist. Damit lehnt er sich an die Tradition großer SF Autoren wie z.B. Aldous Huxley an. Das Ende bleibt offen, unklar ebenfalls wie das Computersystem Actualsanity das neue Kollektiv bewertet. Ein SF Roman mit hohem Gegenwartsgehalt, nicht nur zum Einmallesen, sondern zum Studieren und Diskutieren.

Text: Ulf Engelmayer
Leif Randt – Planet Magnon, Broschur, 10,99 €
Kiwi, 12.01.2017, ISBN 978-3-462-04953-4

Must have Compilation: Future Sounds of Jazz Vol.13 / Artists of the Week 10/17

Kaum zu fassen, die mittlerweile 13. Ausgabe dieser legendären Serie von Compost Records. Wieder zusammengestellt von Mastermind und Labelchef Michael Reinboth. Über den Sound von Compost braucht man nicht mehr groß zu reden, 20 Jahre Erfolgskurs sprechen eine deutliche Sprache.

Compost has always had it`s ears open to music from across the spectrum; jazz, folk, house,  brazilian, fusion.

Scott Towers (Fat Freddy`s Drop / Opensouls)

Auch bei der neuen Ausgabe (Doppel CD / 4fach Vinyl) stimmt die Mischung, Stilvielfalt als Prinzip. Latin und Funkelemente, Dancefloor, entspannte Grooves, Neojazz, Afrobeats, Electronica. Gäste dieser Ausgabe u.a. Peter Kruder, Tony Allen, Matanza, Axel Boman, Faltydl, Van hai, Butch & C. Vogt… Typisch: wächst beim hören.

Anhören bei Compost

 

Das wilde Kino ist zurück: ‚Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes‘

Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes bundesweiter Kinostart am 8. Juni

„Wer Julian Radlmaiers verschmitzte Satire ‚Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes‘ (Perspektive) gesehen hat, wird schon jetzt mit den Füßen (oder Pfoten) scharren, wann sein nächster Film kommt.“

Andreas Borcholte und Hannah Pilarczyk, Spiegel Online

Mit Julian Radlmaier hat das deutsche Kino eine neue aufregende Stimme bekommen, die es versteht, klug und mit viel Humor Politisches und Privates zu verknüpfen. Sein erster abendfüllender Film Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes (Deutschland, 2017) wurde bei seiner Deutschlandpremiere auf der diesjährigen Berlinale begeistert aufgenommen und sorgte für ausverkaufte Kinosäle. Weltpremiere feierte die politische Komödie zuvor auf dem International Film Festival Rotterdam (IFFR). Ein absolutes Muß für deutsche Programm- und Arthousekinos.

Der Film

Ein bürgerlicher Windhund gesteht, wie er vom Filmemacher zum Vierbeiner wurde: Weil er gerade keine Förderung bekommt, sieht JULIAN sich gezwungen, einen Job als Erntehelfer anzunehmen. Als er der jungen Kanadierin CAMILLE weismacht, es handele sich dabei um die Recherche für einen kommunistischen Märchenfilm, in dem sie die Hauptrolle spielen soll, will sie ihn begleiten und Julian spinnt romantische Fantasien. So landen die beiden in der trügerischen Idylle einer ausbeuterischen Apfelplantage.

Für Julian wird es zunehmend schwieriger, den kommunistischen Filmemacher zu performen, außerdem kommt ihm ein Vorzeigearbeiter mit amerikanischen Träumen in die Quere, ein stummer Mönch mit magischen Kräften und einem Sprung in der Schüssel tritt auf, die Plantagenbesitzerin wird versehentlich getötet und eine versuchte Revolution endet in Ratlosigkeit. Da kommen die Spatzen in den Bäumen mit einem unerhörten Plan…

Gute Kritik im Berliner Tagesspiegel

Buchtipp: Matthias Brandt – Raumpatrouille

„Alles was ich erzähle ist erfunden
Einiges davon habe ich erlebt
Manches von dem, was ich erlebt habe,
hat stattgefunden.“

Diese Zeilen stehen am Anfang des Buches, bevor die erste Geschichte überhaupt anfängt. Will ich trotzdem weiterlesen? Immerhin ist Matthias Brandt ein bekannter deutscher Fernseh- und Theaterschauspieler. Und Sohn einer der bekanntesten Nachkriegspolitiker Deutschlands.
Die erste Geschichte beginnt mit zwei Worten: „Keiner da.“ Kein Satz, eine Feststellung. Bessere Opener gibt es kaum, denn schon ist die Neugier des Lesers geweckt. Es eröffnen sich unzählige Möglichkeiten von nachfolgenden Szenen. In diesem Fall ein Junge mit triefender Langeweile. Der Nachmittag will totgeschlagen werden bevor im Fernseher „Percy Stuart“ beginnt. Das Bonanza Fahrrad wird aus der Garage geholt und „Mamy Blue“ von Ricky Shane gepfiffen – gehört in der letzten Hitparade.
Bereits während der ersten drei Seiten bin ich mitten in der Erzählung. „Percy Stewart das ist unser Mann, …“, trällert die Melodie aus der Fernsehserie durch meinen Kopf. Ich dachte an Ricky Shane, den meine Schwester als Bravo Starschnitt an die Tapete in unserem Kinderzimmer gepinnt hatte. Ein Bonanza Rad hatte meine Schulfreundin.
Hat der Autor das erfunden oder erlebt? Geschichten kann Matthias Brandt erzählen – ob fiktiv oder selbst erlebt spielt keine Rolle. Er weckt Erinnerungen an die eigene Kindheit, an einen berühmten Bundeskanzler und den Mann im Mond. Schöner kann Unterhaltung nicht sein.
Text: Jutta Engelmayer
Matthias Brandt – Raumpatrouille, HC, 176S., 18€
Kiepenheuer und Witsch, Sep 2016, ISBN 978-3-462-04567-3

Wenn Flugzeuge im Meer verschwinden – Noah Hawleys neuer Thriller – Vor dem Fall

Marthas Vineyard ist eine Insel vor der Südküste von Cape Cod im US Bundesstaat Massachusetts. Ein Ferienparadies der Reichen, nicht weit entfernt von New York und Boston. Ein Privatjet steht an der Startbahn. Die Besatzungsmitglieder, zwei Piloten und eine Stewardess warten auf ihre Passagiere. Der Medienmogul David Bateman mit seiner Frau Maggie, ihrer Tochter Rachel und JJ ihrem Sohn. Begleitet werden sie von einem Bodyguard. Da in ihrem gecharterten Flugzeug noch Plätze frei sind haben Dave und Maggie noch Bekannte eingeladen mitzufliegen. Ein Komfort der eine viel längere Rückreise mit der Fähre erspart. Ben und Sarah Kippling sind Freunde von Dave. Kipling ist Partner in einer großen Wallstreet Firma. Die von Maggie eingeladenen Person ist der Maler Scott Burroughs. Die beiden kennen sich erst seit kurzer Zeit. Scott will in einer New Yorker Galerie seine Bilder vorstellen. Der Start ist für 22 Uhr geplant. Der Abend ist mild, aber es zieht dichter Nebel auf. Für den Privatjet kein Problem. Die Maschine starte pünktlich. 16 Minuten später stürzt das Flugzeug ins Meer. Weiterlesen »

Dem Downbeat auf der Spur: Tosca und ihr neues Album Going, Going, Going

Die Altmeister haben wieder zugeschlagen. Auf ihrem 10. Album kehren Tosca zu ihren Wurzeln zurück. Richard Dorfmeister und Rupert Huber haben sich auf ihre Urprünge besonnen und liefern ein durchgehend spannendes Album ab welches sich stilistisch viele Freiheiten nimmt. Die Basis ist der typische Vienna Style der 90er Jahre, für den Tosca immer noch abgefeiert werden. Alles fein gemischt mit House-, Ambient-, Electronica und Retroelementen, gewürzt mit Soundtrackgrooves. Dadurch entzieht sich Tosca allen Klassifizierungen. Nehmt das Album wie es ist, zurücklehnen und die Regler hoch. Unsere Künstler der Woche am 28.02.17

Die Berlinale 2017 in Bildern

Pulse of Europe trifft sich am 05.03. in Göttingen

Nun auch in Göttingen, die erste Pro Europa Demonstration. Seit einigen Wochen am Sonntag in vielen deutschen Städten für den Erhalt der Europäischen Union demonstriert. Dies oft noch unter der Wahrnehmungsschwelle der Medien, aber mit einer zunehmenden personellen Präsenz. Es ist mittlerweile mehr als der Ausdruck eines diffusen Gefühls, überzeugte Europafreunde sind der Meinung, dass es sich lohnt den negativen Ideen der Populisten ein deutliches Zeichen entgegenzusetzen. Jetzt hat sich ebenfalls in Göttingen eine lokale Initiative gebildet, die zumindest bis zur Wahl in den Niederlanden jeden Sonntag Flagge zeigen will. Der erste Termin ist Sonntag der 05.03.17 um 14:00 Uhr am Gänseliesel. Auf das der Platz blau werde!

www.pulseofeurope.eu

1 14 15 16 17