James McBride – Black and Proud

Der National Book Award Preisträger James McBride hat es geschafft das Leben des größten Soul und Funk Stars aller Zeiten in Buchform zu präsentieren. „Black and Proud – Auf der Suche nach James Brown und der Seele Amerikas“ ist eine Spurensuche im Süden der USA. Hier sind die Wurzeln von James Brown, hier ist er aufgewachsen, hier ist er immer wieder hin zurückgekehrt. Für den ungebildeten Landjungen war die Musik der Weg raus aus dem Dreck, raus aus der Rassendiskriminierung, raus aus der Armut. Er war ein Selfmademan im besten Sinne, mit allen Fehlern und Schrullen. Seine Hits und Erfolge waren gigantisch, er war die musikalische Seele der schwarzen Community. McBride ist für dieses Buch tief in den Süden eingetaucht, hat mit vielen Familienmitgliedern, Musikern und Weggefährten Browns gesprochen. So entstand keine lineare Biografie, sondern Momentaufnahmen die uns durch die atmosphärische Dichte die Person und den Musiker James Brown näherbringen. Man erkennt eine widersprüchliche Figur, gefangen in ihrer Sozialisation, aber wirkmächtig in den lebenslangen Versuchen einen eigenen Weg zu gehen. Ohne James Brown ist die Durchschlagskraft der schwarzen Bürgerrechtsbewegung nicht zu verstehen. 1968 schlug der Song „Say it load, I`m black I`m proud“ ein wie eine Bombe. Das Thema Funk gäbe es ohne ihn wahrscheinlich nicht. McBrides Buch ist ein neuer, faszinierender Blick auf James Brown, seinen immer noch währenden Einfluss auf die schwarze Musik und ein Portrait dieser bewegten Jahre.
Text: Ulf Engelmayer
James McBride – Black and Proud, HC, 20€
btb, 978-3-442-75714-5

Susanne Jonasson – Opfermoor

Die junge Biologin Nathalie kommt nach Dalsland um zu forschen. In dieser abgelegenen Gegend in Schweden will sie im Moorgebiet Bodenproben entnehmen und untersuchen. Vor Jahren wurde in diesem Feuchtgebiet eine Moorleiche aus der Eisenzeit gefunden. Damals wurden dem Moor Opfer gebracht, auch Menschen. Moorleichen wurden getötet und deshalb kommen sie den Legenden nach nie zur Ruhe.
Nathalie ist Wissenschaftlerin und daran gewöhnt analytisch zu denken. Sie kennt das Moor aus ihrer Kindheit. Das erwähnt sie niemanden gegenüber, denn sie verließ die Gegend nach einer schrecklichen Familientragödie. Die scheue junge Frau lernt den Studenten Johannes kennen, der oft und bei jedem Wetter im Moor joggt. Er hilft ihr manchmal beim Sammeln der Proben. Eines Tages beobachtet sie ihn von ihrem Fenster aus ins Moor laufen. Es ist ein regnerischer, stürmischer Tag. Plötzlich ist es ungewöhnlich still. Nathalie spürt eine innere Unruhe und macht sich auf den Weg ins Moor um Johannes zu suchen. Sie findet ihn bewusstlos, am Kopf hat er eine Verletzung. Der Student wurde niedergeschlagen. Nathalie entdeckt in der Nähe ein ausgehobenes Grab.
Maya Linde ist nebenberuflich Polizeifotografin, hauptberuflich ist sie eine bekannte Künstlerin die bereits auf Ausstellungen ihre Fotos präsentiert hat. Nach dem Überfall auf den Studenten wird sie ins Moor geschickt, um den Tatort zu dokumentieren. Als sie die Fotos entwickelt erkennt sie im Hintergrund eine geduckte, verschwommene Person. Sie beginnt Nachforschungen anzustellen und entdeckt mehrere Gräber im Moor. Die Leichen darin sind Personen, die bereits seid vielen Jahren vermisst wurden.
Die Schwedin Susanne Jansson ist Fotografin und Journalistin. Schon als Kind war sie süchtig nach Krimis. Ein Dokumentarfilm über Moorleichen in Nordeuropa war ihr Motiv diesen Kriminalroman zu schreiben.
Die Protagonisten in diesem Roman sind eine Wissenschaftlerin und eine Fotografin. Eine analytisch denkend, von einem Gerüst aus Regeln gestützt, die Andere Zwischentöne und Nuancen wahrnehmend, feinsinnig und kreativ. Beide stellen den Hintergrund dieser Geschichte dar. Und natürlich das Moor. Schon immer mit Mystik, Ängsten und Legenden behaftet. Dieses Erstlingswerk entwickelt bereits ab der ersten Seite einen Sog in die Geschichte, dem man sich gerne hingibt und in der Handlung haltlos versinkt.

Text: Jutta Engelmayer
Susanne Jonasson – Opfermoor, PC, 318 S., 15€
C.Bertelsmann, 978-3-570-10336-4

Michael Wolff – Feuer und Zorn

Es ist das wahrscheinlich am meisten diskutierte Buch in diesem Frühjahr. Der amerikanische Journalist Michael Wolff gelang mit seinem Buch „Feuer und Zorn“ ein intimer Blick in die Trump Administration. Über Monate ging Wolff im Weißen Haus ein und aus. Seine Absicht über die ersten Monate des Trump Regimes ein Buch zu schreiben, schien niemanden dort ernsthaft zu beunruhigen. Im Gegenteil: die Auskunftsfreudigkeit gegenüber den Medienjournalisten war so groß, dass ihm ein sehr genaues – man muss wohl sagen – Sittengemälde über das Westwing Team gelang. Antrieb im Weißen Haus unter Trump sind nicht politische Themen, sondern – so muss es nach der Lektüre von „Feuer und Zorn“ erscheinen – der Kampf jeder gegen jeden. Der Kampf um die Gunst des Präsidenten, der wahrscheinlich der unfähigste Erste Mann im Staat ist, den die USA je in diesem Amt gesehen hat. Die Fraktionskämpfe zwischen dem Familienclan, dem republikanischen Establishment und die ALT-Rights um Steve Bannon. Da bleibt nicht aus, dass die Halbwertzeit der Mitarbeiter immer kürzer werden. Wer im Weißen Haus unter Trump eine Karriere machen will, läuft in die Gefahr nach dieser Ära keinen Job mehr zu bekommen. Das Erschreckende an diesem Buch ist die Erkenntnis, dass nicht nur der Präsident von keinerlei Sachkenntnis getrübt ist, sondern auch sein Mitarbeiterstab. Dies wundert nicht, denn Michael Wolff enthüllt gleich zu Anfang des Buches: „Donald Trump und seine winzige Wahlkampftruppe bereiteten sich auf einen Untergang mit Feuer und Zorn vor. Auf einen Sieg waren sie nicht gefasst. Nachdem jetzt auch Hope Hicks, die engste und vielleicht auch kompetenteste Vertraute von Donald Trump, deren Loyalität immer außer Frage stand, quittiert hat, ist es nicht unwahrscheinlich, dass dem Präsidenten mittelfristig genau dieser Untergang mit „Feuer und Zorn“ bevorsteht.
Fazit: Wer wissen will, wie Populisten im Amt ticken, muss dieses Buch lesen!

Text: Ulf Engelmayer
Michael Wolff – Feuer und Zorn, HC, 19,95€
rowohlt, 978-3-49809-465-2

Nicola Förg – Rabenschwarze Beute

Während der zu Silvester üblichen Knallerei wird der Architekt Markus Göllner erschossen. Kurz vorher verbrachte er den Abend mit seiner Freundin Beate. Ihr Nachbar Rieser hatte mit der Ballerei bereits eine halbe Stunde vor Mitternacht angefangen und er hörte nicht vor 1 Uhr auf. Mit Tarnanzug und Gehörschutz ausgestattet knallte er mit einer Schreckschutzpistole und belästigte seine Nachbarn Jahr um Jahr. Göllner betrat genervt den Balkon und schrie Rieser an. Das war das Letzte was Beate von ihm hörte. Als sie auf dem Balkon nachsah, war Markus verschwunden. Die Polizei wurde verständigt und Irmi Mangold hatte gleich am 1. Januar einen neuen Fall.
Der Architekt war neben seinem Beruf ein aggressiver Vogelschützer. Silvester Knallerei, Sommerfeuerwerke und Windkraftanlagen waren ihm ein Greul. Er hatte bereits einigen Investoren viel Ärger bereitet und sich damit keine Freunde gemacht. Wo sollte die Kommissarin mit den Ermittlungen anfangen?
Zur gleichen Zeit nervte sie ihr Chef mit neuen Ideen. „Teamspirit“ war eine neue Inspiration die er seinen Mitarbeitern näherbringen wollte. Dazu hatte er ein Hüttenwochenende für die ganze Abteilung gebucht. Auf der Hütte angekommen lernen sie La Jolina kennen, eine bekannte Bloggerin die auf der Hütte ein Shooting für ihre Webseite machen will. Dabei ist ihr Manager und ihre 4 Jahre alte Tochter Paris. Unter den Augen der Polizisten verschwindet das kleine Mädchen. Das ganze Haus wird erfolglos abgesucht. Erst draußen, bei eisiger Kälte, wird das Mädchen gefunden. Die Erste Hilfe Maßnahmen sind erfolglos. Jolinas Tochter ist tot.
Irmi Mangold und ihre Kollegen ermitteln und stehen einem Fall gegenüber, der seinen Ursprung weit in der Vergangenheit liegen hat.
Ein weiterer Fall für Irmi Mangold und Kathi Reindl. Nicola Förg ist Bestsellerautorin und Journalisten. Die gebürtige Oberallgäuerin befasst sich in ihren Kriminalromanen immer mit einem kritischen Thema. Diesmal geht es um Vogelschutz und die Schnelllebigkeit von Webseiten. Mode Blogs diktieren Trends für Kleidung und Schönheit, bei denen viele junge Menschen einfach nicht mithalten können. Sei es optisch oder finanziell. Die Social Media erlauben jedem seine Meinung zu verbreiten, was schlimmsten Falls bei Bewertungen zu Rufmord führen kann. Nicola Förg flechtet diese Hinweise geschickt in die Fälle ihres Ermittlerteams ein. Dabei sind ihre Krimis humorvoll, mit charmanten und eckigen Charakteren ausgestattet und der Leser bekommt etwas zum Nachdenken.

Text: Jutta Engelmayer
Nicola Förg – Rabenschwarze Beute, PB, 16,00€
Pendo, 978-3-86612419-6