Sylvie Da Silva – Lissabon – Authentische Rezepte aus der Hauptstadt

Schon der Einband ist ansprechend. Optisch den portugiesischen Kacheln nachempfunden, nur aus Papier. Schlägt man das Buch auf, beginnt die Reise nach Lissabon in Form von vielen Fotos. Die Seiten sind aus festem Papier und machen das blättern einfach. Eingangs werden Beschreibungen über die portugiesische Küche, insbesondere aus der kulinarischen Hauptstadt erörtert. Weiter geht es mit einem übersichtlichen Inhaltsverzeichnis. Alle Rezepte sind einfach beschrieben und werden von schönen, einladenden Fotos begleitet. Zwischen den Rezepten findet der Leser immer wieder nützliche und interessante Beschreibungen über Nahrungsmittel und typische portugiesische Kultur. Ein schönes Buch, das zum nachkochen anregt.

Text: Jutta Engelmayer  
Sylvie da Silva – Lissabon – Authentische Rezepte aus der Hauptstadt, geb, 20€
Südwest Verlag, 978-3-517-09611-7

Gil Ribeiro – Lost in Fuseta – Spur der Schatten

Im ersten Band wurde der deutsche Kommissar Leander Lost im Austausch für ein Jahr nach Portugal an die Algarve versetzt. Lost ist ein Asperger-Autist, der ein brillantes fotografisches Gedächtnis besitzt, aber mit den Gefühlen anderer Menschen große Probleme hat. Vor allem kann er nicht lügen. Das macht es seinen neuen Kollegen schwer, wenn sie die Auslegung der Gesetzte etwas ausweiten. Während seines ersten Falls wurde er schwer verletzt. Jetzt ist er genesen und bereit für neue Aufgaben, die auch nicht lange auf sich warten lassen.
Die immer zuverlässige Kollegin Theresa Fiadeiro erscheint nicht zu ihrem Dienst. Sub-Inspektorin Graciana Rosado sucht die Wohnung der Vermissten auf und findet ihr Handy. Ein Utensil, dass Theresa immer bei sich hat. Graciana ist beunruhigt startet eine Personensuche. Kurze Zeit später wird Teresa durch Zufall in einem Brunnenschacht gefunden. Sie wurde ermordet. Während die Kollegen nach Teresa suchten, bekamen die Sub-Inspektoren eine neue Chefin. Christina Sobral bringt gleich eine neue Aufgabe mit. Das Innenministerium hat einen Begleit- und Fahrdienst für eine Besucherin aus Angola angefordert. Flores Yola ist Journalsitin, besucht in Lagos die Grabstätte ihres aus Portugal stammenden Vaters und trifft sich mit dem Bürgermeister zu einem Abendessen. Anschließend soll sie zum Flughafen nach Faro gebracht werden um ihre Reise nach Lissabon fortzusetzten. Dort soll sie einen Vortrag über das portugiesische postkoloniale Zeitalter halten. Eine einfache Aufgabe für die Polizisten, aber der Tod von Teresa Fiadeiro bekommt einen aktuellen Bezug zu der angolanischen Journalistin. Leander Lost mit seinem analytisch arbeitenden Verstand und die intuitiv gesteuerte Graciana Rosado haben einen Fall vor sich, der höchste politische Brisanz hat.
Hinter dem Namen Gil Ribeiro verbirgt sich der erfolgreiche Drehbuchschreiber Holger Karsten Schmidt. Der Grimme Preisträger verliebte sich als junger Mann, während einer Interrail Reise in die Algarve. Seid dem fährt er immer wieder in die kleine Stadt Fuseta. Mit dem Charakter des Asperger Autisten Leander Lost hat er einen außergewöhnlichen Kommissar zum Leben erweckt. Sein Markenzeichen ist ein weißes Hemd mit schmaler schwarzer Krawatte und ein schwarzer Anzug. Diese auffällige Figur trifft auf südländischen Charme und eine vollkommen andere Lebensweise. Nach seinem ersten Fall hat er sich bei seinen Kollegen und dem sozialen Umfeld etabliert. Der seltsame Deutsche wird trotz seiner Andersartigkeit geschätzt. Gil Ribeiro hat damit einen Charakter entwickelt, von dem man süchtig wird. Die Dialoge zwischen Lost und seinen Kollegen sind eines Spock und Captain Kirk würdig.

Text: Jutta Engelmayer
Gil Ribeiro – Lost in Fuseta – Spur der Schatten, TB, 14,99€
Kiepenheuer und Witsch, 978-3-462-05124-7

Yvonne Hofstetter – Das Ende der Demokratie

Eigentlich ist sie nicht hauptberuflich Autorin. Yvonne Hofstetter ist Geschäftsführerin der deutschen Technologiefirma Teramark Technologies und Spezialistin für Big Data. Der verstorbene Herausgeber der FAZ Frank Schirrmacher hat sie für die Medien entdeckt und nach ihrem ersten Bestseller „Sie wissen alles“, ist sie ein gefragter Gast auf Diskussionsforen. Jetzt die Taschenbuchausgabe ihres Buches „Das Ende der Demokratie – Wie eine künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt“. Hofstetter sieht den Menschen nur noch als einen Teil seiner intelligenten Umgebung. Im Internet der Dinge ist mittelfristig alles mit allem vernetzt. Die Prognose sagt, dass im Jahr 2030 100 Milliarden Dinge miteinander vernetzt sein werden. Dies führt zu völlig neuen Wechselwirkungen mit der Dynamik ihrer Umwelt. Algorithmen und Statistiken werden in der Zukunft für Entscheidungen eine noch größere Rolle spielen. Allerdings funktioniert Statistik nur auf großen Zahlen und hat keinerlei Aussagekraft für das einzelne Schicksal. Sollte in einer demokratischen Gesellschaft der statistische Durchschnitt zur Norm werden, sind Pluralismus, Buntheit und Vielfalt gefährdet. Was es bedeutet, wenn uns künstliche Intelligenz demokratische Entscheidungen abnimmt, zeigt uns eine kurze Phantasie in diesem Sachbuch. Die IT Spezialisten Scott Muller und Christian Brandlhuber beschäftigen sich mit der Regelung komplexer dynamischer Systeme durch künstliche Intelligenz. Sie räsonieren darüber, ob eine KI ein Steuerungs- und Entscheidungsmodul auch für Gesellschaftssysteme sein kann. Das dies keine ferne Zukunft ist, zeigen die aktuellen Entwicklungen in China. Yvonne Hofstetters Buch ist eine kluge, mit zahllosen Fakten angereicherte Abhandlung über die mögliche Entwicklung unserer Demokratie. Oft zu lang und abschweifend im Text. Wer sich aber durch dieses fast 500 Seiten starke Werk kämpft, wird mit überraschenden Einsichten und Erkenntnissen belohnt.

Text: Ulf Engelmayer
Yvonne Hofstetter – Das Ende der Demokratie, TB, 12€
Penguin, 978-3-328-10202-1

Schlecky Silberstein – Das Internet muss weg

Was hat das zu bedeuten, wenn einer der einflussreichsten Blogger Deutschlands ein Buch mit dem Titel „Das Internet muss weg“ vorlegt? Schleckey Silberstein nutzt das analoge Medium Buch, um mit der digitalen Welt abzurechnen. Abrechnen heißt hier konkret, erst einmal dem gemeinen Nutzer zu erklären, wie diese digitale und für uns so bequeme Datenwelt wirklich funktioniert. Denn wir sind nicht nur Nutzer, sondern in der ersten Linie Datenlieferanten. Diese müssen unter allen Umständen möglichst lange auf den großen Portalen, wie zum Beispiel Facebook, gehalten werden. Damit dies gelingt, hängt es von guten Headlines ab, die Aufmerksamkeit zu wecken, besser noch Emotionen zu erzeugen. Das erhöht zudem die Chance auf schnelle weitere Verbreitung und erklärt die hohe soziale Dynamik der sozialen Medien. Wer glaubt, im Internet würde viel gelesen, täuscht sich. Nach einer Studie der Columbia University aus dem Jahr 2016, haben bei Facebook 59 Prozent der Nutzer, die einen Artikel teilen, nur die Schlagzeile gelesen. Silberstein nimmt sich in seinem Buch besonders das Thema Fake News vor. Er beschreibt die Netzwerke, die solche Nachrichten entstehen lassen. Neben den Bots, automatisierten Programmen die zum Beispiel in sozialen Medien automatische Antworten setzten, stechen vor Allem zwei Personengruppen ins Auge. Zum einen das Bored Employee Network, das Network der gelangweilten Bürohengste und das Activist Network oft the Unemployed. Seine Mitglieder sind arbeitslos oder verrentet, mit hohem Drang zur Selbstdarstellung, Besserwisserei und hohem Wutpotential. Wer die Kommentarseiten im Netz liest, kann diese Netzwerke in Echtzeit erleben. Das erschreckende ist, so Silberstein: Wut sorgt für eine ungleich höhere soziale Dynamik als Sachlichkeit. „Das Internet muss weg“ ist aufgrund seiner umfangreichen und oft neuen Faktenlage das Buch um die soziale Dynamik und Brisanz des Mediums Internet zu verstehen und einschätzen zu können. Zum Thema „Was tun?“, hat der Autor einige pragmatische Lösungen: – emails nur 2x am Tag abfragen – Feedback von Fremden meiden – seine eigenen Daten halten Mehr vom und über den Autor unter schleckysilberstein.com

Text: Ulf Engelmayer
Schlecky Silberstein – Das Internet muss weg, PB, 16€
Knaus, 9-783-8135-0794-2

Jean-Gabriel Causse – Arthur und die Farben des Lebens

Arthur hatte alles verloren – Job, Status und seine Platin-Vielfliegerkarte. Seine Linksintellektuellen wohlhabenden Eltern trennten sich und eine Frau wollte nichts mehr von ihm wissen. Zu viel Alkohol ruinierte seine ehemals durchtrainierte Figur. Eines Tages schickte ihn das Arbeitsamt in die Buntstiftfabrik von Gaston Cluzel. Nach 4 Generationen Familienbesitz, stand die Firma vor dem Bankrott. Jetzt hoffte der Besitzer auf einen Mitarbeiter, der dieses Schicksal abwenden konnte. Arthur ist als Handelsvertreter unbrauchbar und Cluzel steckte ihn an die Fertigungsstraße. Die Firma ist nicht mehr zu retten und Cluzel informiert seine Mitarbeiter. Die letzten Rohstoffe sollen noch verarbeitet werden, dann ist Schluss. Pigmente wurden nur sparsam verwendet und Arthur entdeckt einen Überschuss dieses Materials. Er verwendet für die Herstellung der letzten Stifte die 15fache Menge an Pigmenten. Das Ergebnis sind Buntstifte mit einer unglaublich intensiven Farbsättigung. Arthur beobachtet schon lange durchs Fenster seine Nachbarin Charlotte. Die Neurowissenschaftlerin lebt mit ihrer kleinen Tochter Louise nebenan. Charlotte ist blind. Die bekannte Radiomoderatorin hat eine besondere Einstellung zu Farben. In New York arbeitet der Inder Ajaj als Taxifahrer. Er verfügt über die seltene Gabe der Synästhesie, ein neurologisches Phänomen, das mehrere Sinne miteinander in Beziehung setzt. Ajaj verbindet spezielle Geräusche mit Farben. Vor einigen Jahren stieg eine blinde Frau in sein Taxi und wollte von ihm geliebt werden. Das Ergebnis ist seine Tochter Louise, von der er nichts weiß. Eines Tages sucht er auf dem Parkplatz sein geliebtes gelbes Taxi. Dort wo es stand, steht jetzt ein graues Auto. An Details erkennt er sein Fahrzeug, aber die gelbe Farbe ist verschwunden. Weltweit erkennen die Menschen das Verschwinden von Gelb und bald darauf gehen auch die anderen Farben verloren. Die Welt ist nur noch in Grautönen vorhanden. Arthur hat inzwischen Kontakt zu Charlotte aufgenommen und schenkt Louise einen ehemals rosa Buntstift aus der letzten Produktion der Buntstiftfabrik. Das kleine Mädchen malt mit diesem Stift eine rosa Maus die durch rosafarbenes Gras läuft. Plötzlich kann Arthur die Farbe Rosa erkennen. Auch für andere Menschen wird rosa wieder sichtbar. Eine verzweifelte Suche nach Stiften aus der überpigmentierten Produktion beginnt, denn viele Buntstifte wurden vernichtet.  Der Farbdesigner Jean-Gabriel Causse stellt mit „Arthur und die Farben des Lebens“ seinen ersten Roman vor. Der Autor schafft mit dieser philosophischen Betrachtung über Farben, den Wert unserer bunten Welt neu zu sehen. Herausgekommen ist eine poetische Erzählung mit charmanten Charakteren.

Text: Jutta Engelmayer 
Jean-Gabriel Causse – Arthur und die Farben des Lebens, HC, 20€
C.Bertelsmann, 9-783-570-10346-3

Rita Mae Brown – Ist die Katze aus dem Haus

Mary Minor Haristeen, kurz Harry genannt, begleitet ihre beste Freundin Susan Tucker als Caddy auf den Golfplatz. Der Frühling hat in Crozet Virginia begonnen und die Bewohner der Stadt freuen sich endlich wieder raus in die Natur zu können und Golf zu spielen. Doch die Idylle nimmt ein jähes Ende als der Geschichtsprofessor Greg McConnell auf dem Golfplatz erschossen wird. Harry und Susan sind mit Freunden ganz in der Nähe, als die Schüsse fallen. Von einer Platzpatrouille erhalten die Spieler die Order bis auf weiteres auf dem Grün zu bleiben. Als ein Rettungswagen und ein Streifenwagen der Polizei eintreffen, sind die Spieler ratlos. Ein Notfall kann jederzeit stattfinden, aber warum ist die Polizei da? Eine Stunde später dürfen die Freunde zurück ins Clubhaus. Dort werden sie von der Polizei erwartet. Deputy Cynthia Cooper, Harrys Nachbarin, befragt die Golfer, ob ihnen etwas aufgefallen wäre. Harrys Neugierde ist geweckt. Schon oft hat sie sich in Ermittlungen eingemischt. Harry kann sich nicht vorstellen, dass der beliebte Professor Feinde gehabt hätte. Greg McConnell arbeitete an einem Buch über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und recherchierte in der Nähe von Crozet über ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager. Hatte der Professor eine Entdeckung gemacht? Sollte seine Ermordung die Veröffentlichung seiner Nachforschungen verhindern? Harry macht sich auf die Suche nach Motiven und gerät wieder einmal in große Gefahr. Ihre tierischen Freunde, die Katzen Mrs. Murphy und Pewter sowie ihre Corgihündin Tee Tucker haben viel Arbeit vor sich, um ihr neugieriges Frauchen zu beschützen. Rita Mae Brown ist eine amerikanische Schriftstellerin. Sie war in der Frauenbewegung aktiv. Ihr Roman „Rubinroter Dschungel“ machte sie bekannt. Die Serie mit den tierischen Detektiven geht mit „Ist die Katze aus dem Haus“ in die 23. Runde. Nach so vielen Fällen immer noch beliebt und sehnsüchtig von den Fans erwartet. Diese Mal geht es um die amerikanische Geschichte und Geheimnissen die tief im 18. Jahrhundert liegen. Gekonnt schickt die Autorin ihre Protagonisten wieder auf die Suche nach einem hinterhältigen Mörder.
Text: Jutta Engelmayer
Rita Mae Brown – Ist die Katze aus dem Haus, HC, 20€
List, 978-3-471-35152-9

Minette Walters – Die letzte Stunde

Develish, Devon, 1348
Sir Richard of Develish verläßt seine Burg um für seine Tochter einen Heiratsvertrag zu unterzeichnen. Zurück bringt er den Tod. Die Pest wütet in Europa und hat auf dem Seeweg Großbritannien erreicht. Sir Richard wollte Peter of Bradmayne für seine Tochter werben, aber in Bradmayne sterben zunächst im Dorf und anschließend auch auf der Burg die Menschen an einer unheimlichen Krankheit. Gyles Statout, ein früherer Leibeigener ist jetzt Mitglied der Garde Sir Richards. Er beobachtet die Kranken und mahnt zum Aufbruch. Auf dem Weg zurück nach Develish erkranken und sterben viele Gardemitglieder. Auch Sir Richard ist erkrankt. Eine Woche nachdem Sir Richard seine Burg verlassen hatte, erhält seine Frau Lady Anne eine Nachricht von einem Boten des Bischofs, dass eine Seuche ausgebrochen ist. Dunkle Beulen an Hals, Leiste und Achseln, hohes Fieber und ein schwarzer gefärbter Körper lassen die Menschen in kürzester Zeit dahinsiechen. Der Schwarze Tod war auf dem Anmarsch und es gab keine Heilmittel. Lady Anne war in einem Kloster aufgewachsen und hatte dort viel über Heilkunde erfahren. Sie hatte gelernt, Gesunde und Kranke zu trennen, um Ansteckung zu vermeiden. Sie wusste auch um die Wirkung von Sauberkeit und Bildung. In Develish hatte sie bereits vielen Kranken helfen können. Ihr Gelingen wurde aber als die Gnade Gottes angesehen. Die Kirche hatte im 14. Jahrhundert große Macht. Lady Anne wusste was sie tun musste. Sie ließ Develish für alle die von außen in die Burg wollten schließen. Alle Lebensmittel wurden rationiert. Als ihr Mann schwer erkrankt vor den Burgtoren auftaucht, verwerte sie ihm und seinem Gefolge den Zutritt. Im Dorf, vor den Burgtoren waren genug Lebensmittel und Wasser, um die Kranken zu versorgen. Gyles Statout schien die Pest nichts anhaben zu können und er versorgte die Kranken bis zu ihrem Tod. Auch Sir Richard starb an der Pest. Lady Annes Tochter Eleanor hasste ihre Mutter dafür und gab ihr die Schuld am Tod des Vaters. Eleanor war eine vom Vater verwöhnte, hochmütige und eigensinnige junge Frau. Sie wartete nur auf eine Gelegenheit der Mutter zu schaden. Die Burg war jetzt vor der Pest sicher, aber auch abgeschnitten von jeglichen Nachrichten. Nur Gyles war immun gegen die Pest und konnte außerhalb der Burg Erkundigungen einholen. Gefahren von außen waren immer noch eine große Bedrohung. Das Leben auf engstem Raum war nervenzehrend und Auseinandersetzungen der Bewohner waren nicht selten. Eines Tages geschieht ein Mord und die Gemeinschaft droht zu zerreißen. Minette Walters stellt mit „Die letzte Stunde“ ihren ersten historischen Roman vor. Athmosphärisch dicht, beschreibt die Autorin das Leben auf einer Burg im 14. Jahrhundert. Die religiöse Allmacht der Kirche und die hierarchische Struktur des Adels, machen das Leben vieler Leibeigener zur Hölle auf Erden. Die oft stark romantisierte Darstellung des Lebens auf einer Burg lässt Minette Walters weit hinter sich. Die Figur der Lady Anne ist eine gute Darstellung eines komplexen Charakters. Eine Frau, die von Nonnen erzogen wurde, dadurch heilkundig war und durch Heiratspolitik einen alten Mann heiraten musste, sah sich plötzlich in der Situation Entscheidungen auf einer Burg zu treffen. Die Lebensumstände der Notgemeinschaft innerhalb der Burg hat die Autorin so gut beschrieben, dass man beim Leben glaubt dabei zu sein.
Text: Jutta Engelmayer
Minette Walters – Die letzte Stunde, HV, 22€
Heyne, 9-783-453-27168-5

Tom Hillenbrand – Hologrammatica

Galahad Singh lebt im Jahr 2088 in London. Er ist Ermittler und darauf spezialisiert verschwundene Personen aufzuspüren. Eines Tages erhält er den Auftrag die Computerexpertin Juliette Perrotte zu suchen. Im Jahr 2088 sind Menschen in der Lage ihr Gehirn in einen künstlichen Körper hochzuladen. Diese digitalen Gehirne, Cogits genannt, werden mit unknackbaren Verschlüsselungsverfahren geschützt. Juliette Perrotte arbeitete als Kryptoanalytikerin bei einer Firma in Paris und war für die Entwicklung von Verschlüsselungsprogrammen zuständig. Der Upload in einen anderen Körper, als Gefäß bezeichnet, darf die Zeitspanne von drei Wochen nicht überschreiten, sonst nimmt das digitale Gehirn Schaden. Hat Perrotte eine Entdeckung gemacht, die unbedingt geschützt werden muss? Handelt es sich um Industriespionage und Perrotte wurde entführt? Galhad Singh fliegt nach Paris, wie viele andere westliche Städte nur noch durch projizierte Hologramme eine Stadt mit schönen Fassaden. Durch den Klimawandel sind viele Teile der Welt unbewohnbar geworden. Die extreme Erwärmung ließ die Meeresspiegel ansteigen. Städte und Inseln sind im Meer versunken. Vor Jahrzehnten dachte die Menschheit daran, nur eine künstliche Intelligenz kann die Welt retten und beschworen damit eine Katastrophe herauf, die erst kurz vor dem großen Crash abgewendet werden konnte. Das ist viele Jahre her. Jetzt verlassen die Menschen die alte Welt um in gemäßigten Regionen, wie Sibirien neu zu siedeln. Eine große Völkerwanderung war ausgebrochen und die Reichen hatten bessere Chancen sich einzukaufen.   Singhs Ermittlungen führen ihn in die Pariser Firma der Vermissten. Er trifft sich mit Perrottes Chef. Kurz darauf werden die beiden Männer Von Unbekannten verfolgt. In einem Einkaufszentrum wird Perrottes Chef eingeholt und von Männern, die plötzlich lange, scharfe Schwerter in den Händen halten, getötet. Galahad Singh gelingt die Flucht, aber er ist sich nicht sicher ob er diesen Fall weiterbearbeiten will. In dieser digitalen Welt stellt er sich die Frage, ob Juliette Perrottes Entführer ein Mensch ist. Tom Hillenbrand stellt nach „Drohnenland“ einen neuen Science Fiction Krimi vor. „Hologrammatica“ entführt den Leser in eine Zukunft, in der sich niemand sicher sein kann, ob Mensch oder Umwelt echt oder eine Projektion ist. Hologramme können alles mit einer Pseudoschönheit übertünchen. Nur mit speziellen Brillen kann hinter die Fassaden gesehen werden. Uploads von Gehirnen in fremde Körper als Lösung für die Frage nach der Unsterblichkeit. Der Autor schickt seinen Protagonisten auf die Suche nach dem digitalen Stein der Weisen – intelligent, spannend und beängstigend.

Text: Jutta Engelmayer
Tom Hillenbrand – Hologrammatica, Broschur, 560S., 12€
Kiwi, 978-3-462-05149-0

10. Berlin Biennale gibt teilnehmende Künstler*innen bekannt

Neue Perspektiven garantiert: unter dem Titel We don’t need another hero präsentiert die 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst vom 9. Juni bis zum 9. September 2018 Arbeiten von:
Agnieszka Brzeżańska, Ana Mendieta, Basir Mahmood, Belkis Ayón, Cinthia Marcelle, Dineo Seshee Bopape, Elsa M’bala, Emma Wolukau-Wanambwa, Fabiana Faleiros, Firelei Báez, Gabisile Nkosi, Grada Kilomba, Heba Y. Amin, Herman Mbamba, Joanna Piotrowska, Johanna Unzueta, Julia Phillips, Keleketla! Library, Las Nietas de Nonó, Liz Johnson Artur, Lorena Gutiérrez Camejo, Lubaina Himid, Luke Willis Thompson, Lydia Hamann & Kaj Osteroth, Lynette Yiadom-Boakye, Mario Pfeifer, Mildred Thompson, Mimi Cherono Ng’ok, Minia Biabiany, Moshekwa Langa, Natasha A. Kelly, Okwui Okpokwasili, Oscar Murillo, Özlem Altın, Patricia Belli, Portia Zvavahera, Sam Samiee, Sara Haq, Simone Leigh, Sinethemba Twalo und Jabu Arnell, Sondra Perry, Tessa Mars, Thierry Oussou, Tony Cokes, Tony Cruz Pabón und Zuleikha Chaudhari.
Ausstellungsorte sind die Akademie der Künste (Hanseatenweg), KW Institute for Contemorary Art,, ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik und der Volksbühne Pavillion.
Die 10. Berlin Biennale wird kuratiert von Gabi Ngcobo und einem kuratorischen Team, dem Nomaduma Rosa Masilela, Serubiri Moses, Thiago de Paula Souza und Yvette Mutumba angehören.