Unsere Künstler des Jahres 2017

Kein so wirklich richtig starkes Jahr für gute Musik, aber dennoch: diese Künstler sind mit ihrer Musik der radio lounge aufgefallen. Hier unsere Topten:

The xx – I See You (und natürlich ihr Auftritt in Göttingen – danke lieber NDR!)

Thundercat – Drunk

Julia Holter – In The Same Room

AndyFellaz – Beat Bop Street

Thievery Corporation – The Temple Of I & I

Peaking Lights – The Fifth State Of Consiousness

Sevadaliza – Ison

Benjamin Clementin – I Tell A Fly

Kelela – Take Me Apart

Björk – Utopia

 

 

Joachim Meyerhoff – Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Hier ist sie nun, die Geschichte des jungen Erwachsenen, der erste Erfahrungen auf den Brettern die die Welt bedeuten macht. Diese Bühne ist zunächst sehr provinziell. Bielefeld ist nicht gerade eine glamouröse Stadt. Hier trifft der Jungschauspieler auf eine Studentin in die er sich verliebt. Die Beziehung ist äußerst kompliziert, denn Hannah entzieht sich immer wieder der Realität, indem sie Geschichten um ihre Person erfindet und gerne spurlos verschwindet. Doch irgendwann zieht sie bei ihm ein. Die Theaterbühne in Bielefeld reicht dem Protagonisten bald nicht mehr aus. Er bewirbt sich erfolgreich in Dortmund und sucht sich eine neue Wohnung ohne die alte aufzugeben. Hannah bleibt in Bielefeld. Am Theater in Dortmund lernt er die exzentrische Tänzerin Franka kennen und beginnt eine Beziehung, die ihn bald an die Grenzen des Machbaren führt. Am Tag Proben, am Abend Vorstellung und nachts zieht er mit Franka durch Kneipen und Diskotheken. Schlaf ist selten, oft kurz und nie ausreichend. Auch die Bäckerin Ilse ist früh auf den Beinen. In ihrer Bäckerei findet der Erzähler neben frisch gebackenen Köstlichkeiten auch weitere körperliche Wohltaten. Das jonglieren mit drei gleichzeitig geführten Beziehungen erfordert viel Geschick und Nervenstärke.
Joachim Meyerhoffs vierter Band des sechsteiligen Zyklus „Alle Toten fliegen hoch“ brilliert wieder mit der unglaublichen Erzählkunst des Autors. Diese schwer zu handhabende Liebesgeschichte ist locker, leicht und selbstironisch erzählt. Die Story greift aber auch immer wieder die Erinnerung an die Toten auf und lässt sie kurz wieder lebendig werden.

Text: Jutta Engelmayer
Joachim Meyerhoff – Die Zweisamkeit der Einzelgänger, HC, 416 S., 24,-€
Kiwi Verlag, 978-3-462-04944-2

Maurizio de Giovanni – Abendlied für einen Mörder

Commissario Ricciardi wird in seinem neuen Fall in eine tieftraurige Liebesgeschichte involviert. In einer dunklen Gasse in Neapel wird der reiche Kaufmann Signor Irace zu Tode geprügelt. Seine Witwe Concetta ist untröstlich. Ein Schuldiger wird schnell gefunden. Nach einer Theatervorstellung die Concetta mit ihrem Mann am Vorabend besuchte, stürzte ein Betrunkener auf Irace zu und beschimpfte ihn. Er werde ihn töten, schreit er und es gibt viele Zeugen. Der Mann ist der berühmte Boxer Vincenzo Sannino aus New York, der vor vielen Jahren Neapel verlassen hatte. Er und Concetta verliebten sich als Jugendliche, aber der gesellschaftliche Unterschied war zu groß. Sannino versprach Concetta zu ihr zurück zu kommen, sobald er genug Geld verdient hätte um ihren Vater zu überzeugen. Jahre vergingen, Concettas Vater starb. Sein Tuchhandel Geschäft war bankrott. Da tauchte der reiche Irace zur richtigen Zeit auf. Jetzt war Vincenzo zurück aus New York und musste feststellen, dass seine große Liebe verheiratet ist. Er singt unter ihrem Fenster ein todtrauriges Lied von Verlust und Schmerz. Concetta erkennt seine Stimme. Jetzt ist Irace tot und der Boxer ist der Hauptverdächtige. Commissario Ricciardi glaubt nicht an diese einfache Lösung und beginnt vorsichtig zu ermitteln, denn sein Chef will eine schnelle Lösung des Falls. Der italienische Schriftsteller Maurizio de Giovanni lebt in Neapel. Seine Ricciardi Romane sind international erfolgreich. Commissario Ricciardi ist ein italienischer Adliger der als Polizist arbeitet. Von seiner Mutter hat er eine belastende Eigenschaft geerbt. Er kann die Toten reden hören. Aus diesem Grund möchte er nicht heiraten und keine Kinder haben. Doch die Frauen sind von dem tiefsinnigen Kommissar tief beeindruckt. Die Romane spielen im Neapel der dreißiger Jahre. Mussolini ist an der Macht und für andersdenkende wie Ricciardi ist es schwer seinem Beruf wahrheitsgemäß nachzugehen. Nur sein Erfolg macht ihn unentbehrlich, doch der Faschismus hinterlässt Spuren in seinem Leben. Ein sehr poetischer Krimi, mit einem Kommissar den man gern persönlich kennenlernen möchte.

Text: Jutta Engelmayer
Maurizio de Giovanni – Abendlied für einen Mörder, HC, 448S.,20,-€
Goldmann, 16.10.2017, 978-3-442-31463-8

Tess Gerritsen – Blutzeuge

Die Filmemacherein Cassandra Coyle wird tot in ihrem Bett gefunden. In den Händen hält sie ihre Augäpfel. Die Augen wurden post mortem entfernt. Die Todesursache bleibt für die Rechtsmedizinerin Maura Isles unklar. Kurze Zeit später wird die Leiche eines Mannes gefunden. Sein Körper sieht wie eine Zielscheibe aus. Mehrere Pfeile stecken in seinem Brustkorb, aber das war nicht die Todesursache. Detective Jane Rizzoli erkennt Zusammenhänge zwischen den symbolischen Darstellungsformen an beiden Leichen. Sie findet aber keine Verbindung zwischen den Opfern. Nur der Zufall führt sie auf eine Spur eines alten Falls von Kindesmisshandlung in einem katholischen Kinderhort. Damals verschwand ein Mädchen spurlos. Die Betreiber und deren Sohn wurden beschuldigt und verurteilt. Auch Maura Isles wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ihre leibliche Mutter liegt sterbenskrank auf einer Intensivstation und will ihre Tochter sehen. Maura weiß noch nicht lange wer ihre Mutter ist, denn sie ist ein Adoptivkind. Ihre leibliche Mutter ist eine mehrfache Mörderin. Nur wiederstrebend sucht sie die Intensivstation auf. Als Mauras Telefon klingelt und sie von Jane Rizzoli zum Tatort von Cassandra Coyle beordert wird, lächelt ihre Mutter. Die amerikanische Schriftstellerinnen Tess Gerritsen gehört seid Jahren zu den führenden Thrillerautoren. Ihr Team Jane Rizzoli und Maura Isles sind befreundet und ermitteln gemeinsam. Detective Rizzoli bei der Bostoner Polizei und Maura Isles im Obduktionssaal der Rechtsmedizin. Diesmal haben sie es mit einem Serienmörder zu tun, der grausame Symbole hinterlässt. Wieder schafft es die Autorin Charakterportraits mit Tiefgang zu erfinden. Obwohl der Täter eiskalt und verstörend handelt, ist die Story beunruhigend stimmig.

Text: Jutta Engelmayer
Tess Gerritsen – Blutzeuge, HC, 416S.,19,99€
Limes, 20.11.2017, 978-3-397319-8