Kerstin Sgonina – Als das Leben wieder schön wurde

Greta kehrt nach vielen Jahren nach Hamburg zurück. Die Stadt, in der sie aufgewachsen ist, hat sich stark verändert. Der Krieg hat tiefe Spuren bei den Menschen hinterlassen. Wohnraum ist knapp und schwer zu bekommen. Kurz bevor der Krieg ausgebrochen ist, reiste Greta mit ihrer Großmutter nach Schweden. Ihre Mutter blieb in Deutschland. Der Krieg ist seit 9 Jahren vorbei, aber es wird noch dauern, bis sich Hamburg davon erholen wird. Greta ist eine fröhliche, selbstbewusste junge Frau. Den Krieg hat sie in Schweden nicht erleben müssen. Sie macht sich auf die Suche nach ihrem Vater, der eine neue Familie gegründet hat. Ihre Eltern sind schon lange getrennt. Greta freut sich darauf ihre Geschwister kennenzulernen. An ihren Vater erinnert sie sich an einen liebevollen Mann. Als sie ihn in seiner Wohnung antrifft ist sie schockiert. Nichts von dem Menschen aus ihren Erinnerungen ist geblieben. Ihre Stiefmutter ist eine verhärmte Frau, ihre kleine Schwester distanziert. Greta darf bleiben. In ihrem Halbbruder findet sie einen Menschen, mit dem sie sich von Anfang an versteht. Er meidet den Haushalt seiner Eltern so gut er kann. Greta hat Pläne. In Schweden hatte sie eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht und in einem Salon gearbeitet. Sie macht sich auf die Suche nach einer Anstellung, aber Hamburg scheint nicht für sie bereit zu sein. Sie bekommt nur Ablehnungen. Eines Tages lernt sie zwei bemerkenswerte Frauen kennen. Marieke ist aus Ostpreußen geflüchtet und lebt in einer Nissenhütte. Sie ist Friseurin und schneidet Frauen aus der Nachbarschaft die Haare. Die zweite lebt in Blankenese in gut situierten Verhältnissen. Trixie hat ein sicheres Geschick für Mode. Sie ist unglücklich in einen amerikanischen Soldaten verliebt, den sie vor Jahren nur einmal getroffen hat. Seitdem hängt sie in Gedanken diesem Traummann nach. Die drei Frauen beschließen einen Schönheitssalon zu eröffnen. Da es keine Räume zu mieten gibt, bauen sie einen alten LKW um und eröffnen ihren Salon. Sie geben ihren Kundinnen endlich wieder das Gefühl Frau zu sein, auch wenn es nicht leicht ist sich in den Nachkriegsjahren mit nötigen Produkten zu versorgen. Greta experimentiert mit verschiedenen Substanzen, um ihre Kundinnen zu pflegen. Der Weg, den die Freundinnen einschlagen ist nicht ohne Schwierigkeiten zu bewältigen und immer wieder müssen sie um ihren Traum kämpfen. Und dann ist da noch Gretas Wunsch ihre Mutter wiederzufinden. Es gibt kaum noch Menschen, die sie fragen kann. Hinweise, die sie schließlich bekommt, führen sie in die grausame Zeit des Nazi Regimes.

Kerstin Sgonina ist Autorin, Journalistin und Lektorin. Sie hat lange in Hamburg gelebt und gearbeitet. „Als das Leben wieder schön wurde“ ist ein lebendiger, trauriger und lebensbejahender Roman. Die drei Freundinnen Greta, Marieke und Trixie sind sehr unterschiedlich und ergänzen sich dadurch. Jede hat ihre besonderen Stärken, Schwächen und Ängste. Die Autorin hat ein feines Gespür für die Situation der Nachkriegszeit. Langsam entstehen wieder Freude und Lebensmut. Gerade die jungen Menschen wollen sich das Leben erkämpfen, sie wollen Freude und die schweren Lasten des Krieges hinter sich lassen. Sie wollen einen Neuanfang. Die älteren Menschen werden länger brauchen, sie haben alles verloren. Menschen, Heimat, Arbeit und viele ihre Ideologie. Aber auch Frauen aus dieser Generation fangen dank Greta und ihren Freundinnen wieder an, sei es auch nur für kurze Momente, sich wohl und umsorgt zu fühlen. Das erscheint wenig, ist aber sehr viel. Ein Roman, der an starke Frauen erinnert, an unsere Mütter und Großmütter, die sich neu erfinden mussten.

Text: Jutta Engelmayer
Kerstin Sgonina – Als das Leben wieder schön wurde, geb, 20€
Wunderlich, ISBN 978-3-8052-0045-5

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