Michaela Karl – Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen

Sie war das IT Girl in den 50er und 60er Jahren in New York. Modeikone und Starkolumnistin des New Yorker. Geboren in Irland, ihre Eltern waren hochrangige Aktivisten im irischen Freiheitskampf. Als ihr Vater Diplomat der Republik Irland in Washington wurde, nutzte Maeve Brennan die Gelegenheit, um aus der Enge irischer Erziehung und kirchlicher Indoktrination zu entfliehen. Aber erst New York wird zu dem Ort, wo sie sich zu Hause fühlt. Schnell fasst sie Fuß in der Medienlandschaft. Nach einer Anstellung bei Harper`s Bazaar, wechselt sie in die Redaktion des New Yorker. Dort wird sie schnell unter dem Begriff „langatmige Lady“ zur Kultkolumnistin und genauen Beobachterin des New Yorker Lebens. Das kleine Schwarze, Perlenkette und High Heels gehörten zu ihren modischen Standards. Kein Wunder, dass diese hübsche, eigenwillige und hochintelligente Irin zum Männerschwarm der Journaille wurde. Trotz zahlreicher Affären und festen Beziehungen, fand sie nie einen ruhigen Platz. Denn es gab da eine dunkle, chaotische Seite der Maeve Brennan.
Michaela Karl ist mit der Biografie über Maeve Brennan ein großer Wurf gelungen. Ihr ist zu verdanken, dass sich wieder ein breiterer Leserkreis für diese faszinierende Person interessiert. Denn Maeve Brennan war ihrer Zeit voraus. Ein Freigeist, eine Vordenkerin für die unabhängige Frau, eine präzise und scharfzüngige Chronistin. Der Biografin gelingt auf faszinierende, aber unaufdringliche Art, ein Sittengemälde des damaligen New York und den Ereignissen in Irland. Nebenbei erhält man wertvolle Lesetipps.
Übrigens: Die New Yorker Geschichten von Maeve Brennan sind im Göttinger Steidl Verlag neu aufgelegt worden.

Text: Ulf Engelmayer
Michaela Karl – Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen, HC, 22€
Hoffmann und Campe, 978-3-455-50414-9

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