Buchtipp: Tom Hillenbrand – Der Kaffeedieb

Am Ende des 17. Jahrhunderts gelangt ein neues Getränk nach Europa: Kaffee. Eigens dafür entstehen in europäischen Städten Kaffeehäuser. Hier treffen sich Kaufleute, Dichter und Philosophen um das Getränk bei interessanten Gesprächen zu konsumieren. Aber Kaffee ist teuer. Plantagen befinden sich im jemenitischen Hochland bei Mocha. Von dort wird der Kaffee nach Europa geliefert. Im 17. Jahrhundert gehören die arabischen Küsten des Mittelmeeres und der arabischen Halbinsel am Roten Meer zum riesigen osmanischen Reich. Das Kaffeemonopol besitzen die Osmanen. Es ist bei Todesstrafe verboten Kaffee und Pflanzen zu schmuggeln.
Der englische Filou und Spekulant Obediah Chalon hat an der Londoner Börse Schiffbruch erlitten. Er muss die Stadt fluchtartig verlassen und schifft sich nach Amsterdam ein. Aber auch dort verspekuliert er sich und landet im Gefängnis. Obediah Chalon ist intelligent, vielfach talentiert, beherrscht mehrere Sprachen, interessiert sich für Metallurgie und ist Sammler mechanischer Apparate. Er ist Mitglied der République de Lettres und kennt dadurch viele Virtuosi, Menschen die etwas meisterhaft beherrschen. Die Mitglieder tauschen sich untereinander in einem regen Schriftverkehr aus und verfügen über ein weitläufiges Netzwerk.
Obediah hat Glück im Unglück. Ein Vertreter der Ostindischen Kompanie weiß um seine vielfachen Talente und holt ihn aus dem Gefängnis. Dafür verpflichtet er Obediah für eine sehr gefährliche Aufgabe. Der Engländer soll nach Mocha fahren und den Türken Kaffeepflanzen stehlen. Die Holländer wollen die Pflanzen selber kultivieren und den Kaffee verkaufen. Die Kompanie stellt Obediah Finanzen zur Verfügung und lässt ihm freie Hand zur Entwicklung und Umsetzung eines Plans. Obediah stellt sich in aller Heimlichkeit eine Gruppe von Spezialisten für diese schwierige Aufgabe zusammen. Aber seine Aktivitäten bleiben nicht unbeobachtet. Frankreich und das osmanische Reich pflegen diplomatische Beziehungen. Obediah Chalon wird vom französischem Geheimdienst beobachtet und verfolgt. Sie fürchten eine Verschwörung gegen den Sonnenkönig Louis XIV.
Tom Hillenbrand ist Journalist und Autor von Sachbüchern und Romanen. Bekannt ist er durch seine kulinarischen Krimis mit einem luxemburgischen Koch als Ermittler. Sein futuristischer Krimi „Drohnenland“ wurde als bester Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet.
Tom Hillenbrand historischer Roman „Der Kaffeedieb“ nimmt den Leser mit auf eine Reise quer durch Europa bis auf die jemenitischen Hochebenen auf der arabischen Halbinsel. Dabei werden alle Sinne angeregt: Der Geschmack und Duft von Kaffee und Gewürzen, die Beschreibung der Landschaft und Pflanzen, die Geräusche der Großstadt Paris. Die Dialoge der interessanten und vielschichtigen Charaktere, sowie die anhaltende Spannung der Geschichte sind ein Lesevergnügen. Chiffrierte Briefe müssen entschlüsselt werden, Geheimdienst und Militär agieren gegeneinander. Der Held der Geschichte ist oft nur eine Nasenlänge von seinen Verfolgern entfernt. Allein der Name Obediah Chalon hätte Charles Dickens gefallen. Ein spannender und geistreicher Roman.

Text: Jutta Engelmayer
Tom Hillenbrand – Der Kaffeedieb, geb, 480S., 19,99€
Kiepenheuer und Witsch, März 2015, ISBN 978-3-462-04851-3

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