Holm Friebe, Detlef Gürtler – Clusterfuck

Die Welt ist kein langer ruhiger Fluss. Im Gegenteil: in unserer hochvernetzten, komplexen, unübersichtlichen und hochtechnischen Welt, ist die Gefahr von unvorhersehbaren Ereignissen und Katastrophen noch immer gegeben. Mehr noch – die Gefahr eines kollektiven Meltdowns von Organisationen und Unternehmen ist jederzeit möglich. Die Autoren Holm Friebe und Detlef Gürtler nehmen in ihrem Buch „Clusterfuck – Warum Katastrophen uns lieben – und eine selten allein kommt“, dieses Phänomen gründlich auseinander. Wie die Beispiele in der Autoindustrie und der BEG Flughafen zeigen. Der Begriff „Clusterfuck“ entstand im Vietnamkrieg, der für die Amerikaner trotz militärischer Überlegenheit nicht zu gewinnen war. Er beschreibt eine chaotische Situation, wo alles schiefzugehen scheint. Die Ursachen sind oft Inkompetenz, Kommunikationsversagen oder eine zu komplexe Umgebung. Für die Autoren ist Clusterfuck ein systemisches Problem., das die Lösungskapazität aller Beteiligten unabwendbar übersteigt. Die Dynamik solcher Systeme sind oft für Experten schwer vorherzusagen. „Unsere intuitive Tendenz zum linearen Denken, funktioniert in solchen Systemen nicht. Ursache und Wirkung verhalten sich oft in keiner Weise linear“, so der Komplexitätsforscher Dirk Helbing. Das macht es natürlich schwierig todsichere Ratschläge und Handlungsanweisungen zu entwickeln, um Clusterfucks und Katastrophen zu verhindern. Die beste Vorsorge ist nach Ansicht der Autoren die Sensibilisierung von Entscheidungsträgern für diese Problematik. Im Anhang, oder hier Exit genanntem Schluss des Buches, werden dennoch eine Fülle von interessanten, oft auch humorvollen Wegen aufgezeigt, um den Alltagsfallen des Versagens aus dem Weg zu gehen. Auch der Autor Ken Kesey, Verfasser des Psychiatrie Romans „Einer flog über das Kuckucksnest“, spielt da eine Rolle. Clusterfuck ist ein hochunterhaltsames, faktenreiches Buch, dem man eine breite Rezeption wünscht.
Text: Ulf Engelmayer
Holm Friebe, Detlef Gürtler – Clusterfuck, fester Einband, 22€
Hanser Verlag, 978-3-446-25951-5

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