Beate Rössler – Autonomie

Ein Versuch über das gelungene Leben
Wie will ich leben, wie und was arbeiten, welche Werte habe ich, welche Wünsche und Überzeugungen hege ich? Fragen die sich jeder bewusst lebende Mensch stellt. Beate Rössler, Professorin für Philosophie an der Universität Amsterdam unternimmt mit ihrem Buch „Autonomie – Ein Versuch über das gelungene Leben“ den Versuch einer Standortbestimmung. Ihr Ansatz ist keine Theorie der Autonomie, sondern die Rahmenbedingungen und die Einschränkungen von gelebter Autonomie zu beschreiben und zu untersuchen. Insbesondere die individuellen Einschränkungen wie die Selbsttäuschung und die Unfähigkeit in Situationen Entscheidungen zu treffen, bilden einen Schwerpunkt in ihrer Untersuchung. Rösslers Stärke ist ihre Zitierfreude zahlloser Beispiele aus der Weltliteratur, um ihre Sicht um das Thema Autonomie zu belegen: Simone de Beauvoir, Max Beckmann, Franz Fanon, Franz Kafka. Dazu zeitgenössische Schriftsteller wie Rainald Goetz, Karl-Ove Knausgard oder Siri Hustvedt. Breiten Raum in ihrer Betrachtung nimmt das Thema „Autonomie, Selbstthematisierung, Selbstbeobachtung: vom Tagebuch zum Blog“ ein. Für Beate Rössler ist das Tagebuch „ein Gerüst für die eigene Autonomie, in dem es zu Überlegungen zu einer selbstbestimmten Existenz geht, die helfen soll, das eigene Leben besser zu verstehen und damit das eigene Leben besser zu leben“. Das Buch stellt das uralte Thema „Wie soll ich leben?“ auf eine aktuelle philosophische Ebene. Diese Thematik ist gerade vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen hochaktuell. Das Buch zu lesen braucht seine Zeit, der Erkenntnisgewinn ist auch für den philosophisch ungeübten Leser eine enorme Bereicherung. Zudem lohnt sich der Blick in das 40 seitige Literaturverzeichnis.

Text: Ulf Engelmayer
Beate Rössler – Autonomie, PB, 29,95€
Suhrkamp Verlag, 08.05.2017, 978-3-518-58698-3

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