Radio Leinewelle http://radiolounge.radiolounge.online Wed, 10 Dec 2025 16:22:05 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.2 http://radiolounge.radiolounge.online/wp-content/uploads/2019/08/cropped-D29CE3C1-BECD-409B-B54D-D65F3F37549C-1-32x32.png Radio Leinewelle http://radiolounge.radiolounge.online 32 32 Pier Paolo Pasolini – Petrolio http://radiolounge.radiolounge.online/pier-paolo-pasolini-petrolio/ http://radiolounge.radiolounge.online/pier-paolo-pasolini-petrolio/#respond Tue, 13 Jan 2026 13:38:20 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2783 Pier Paolo Pasolini war ein Intellektueller, der sich nie geschützt hat. Er suchte die Öffentlichkeit, den Konflikt, den Widerspruch. Kommunist und Katholik, Dichter und Filmemacher, Homosexueller in einer zutiefst konservativen Gesellschaft – Pasolini war immer zugleich Teil und Gegner seiner Zeit. Und er wusste, dass diese Haltung gefährlich war.

Als er 1975 ermordet wurde, hinterließ er ein unvollendetes Manuskript: Petrolio. Kein Roman im klassischen Sinn, sondern ein offenes Gefüge aus Notizen, Erzählfragmenten, Essays und bewussten Brüchen. Pasolini arbeitete bis zuletzt an diesem Text – wissend, dass er literarisch wie politisch eine Grenzüberschreitung war.

Im Zentrum steht die Figur Carlo, ein Ingenieur im Machtfeld der italienischen Erdölindustrie. Doch Carlo ist keine stabile Figur. Er spaltet sich, verliert Identität, wird zum Träger widersprüchlicher Rollen. Pasolini nutzt diese Figur, um ein System zu beschreiben, in dem Macht anonym, verschleiert und strukturell wirkt.

Petrolio ist ein Roman über Korruption, über sexuelle Gewalt, über politische Netzwerke – und über das Verhältnis von Körper und Kapital. Erdöl wird zur Metapher für eine Gesellschaft, die von Interessen gesteuert wird, die sich der Kontrolle entziehen. Pasolini deutet Verbindungen zwischen Industrie, Politik und Geheimdiensten an. Er nennt keine Namen. Aber er schreibt so, dass sie lesbar werden.

Diese Andeutungen machten den Text hochbrisant. Schon kurz nach der Veröffentlichung wurde Petrolio nicht nur literarisch, sondern politisch gelesen. Viele sahen darin einen Schlüsseltext zur sogenannten „Strategie der Spannung“ im Italien der Nachkriegszeit – einer Phase, in der Terror, staatliche Akteure und wirtschaftliche Interessen ineinandergreifen.

Pasolini selbst hatte sich in seinen letzten Lebensjahren zunehmend radikalisiert. Er sah im Konsumkapitalismus eine neue Form des Faschismus – subtiler, totaler, zerstörerischer als der alte. Seine Texte wurden direkter, seine Warnungen schärfer. Petrolio ist das literarische Dokument dieser Zuspitzung.

Die Rezeption des Romans war lange gespalten. Viele hielten ihn für unlesbar, obszön, überfrachtet. Heute wird gerade seine Fragmenthaftigkeit als Stärke gesehen. Petrolio bildet eine Welt ab, die selbst zerrissen ist. Macht erscheint nicht als klarer Gegner, sondern als Geflecht. Und der Körper wird zum politischen Schauplatz.

Petrolio bleibt ein offenes Werk. Ein Text, der misstrauisch macht. Gegenüber Systemen, gegenüber Ideologien, gegenüber scheinbarer Ordnung. Und er erinnert an einen Autor, der Literatur nicht als Schutzraum verstand, sondern als Risiko.

Das Buch ist als Paperback bei Wagenbach erschienen hat 700 Seiten und kostet 20 €

Text: Ulf Engelmayer
Pier Paolo Pasolini – Petrolio, PB,20€
Wagenbach, 978 3 803127426

 

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Lena Schätte – Das Schwarz an den Händen meines Vaters http://radiolounge.radiolounge.online/lena-schaette-das-schwarz-an-den-haenden-meines-vaters/ http://radiolounge.radiolounge.online/lena-schaette-das-schwarz-an-den-haenden-meines-vaters/#respond Tue, 13 Jan 2026 13:33:01 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2780 Ein Familienroman von der Tochter in der Ich-Form erzählt. Sie wird von ihrem Vater „Motte“ genannt. Ihr Vater ist Arbeiter, arbeitet im Metallwerk und ab Montag verfärben sich seine Hände bis zum Wochenende immer mehr. Das Schwarz an den Händen des Vaters. Einmal darf Motte mit zur Arbeit. Sie ist in der sechsten Klasse und die Väter dürfen ihre Töchter mitnehmen. Hier lernt sie den Grund der immer verfärbten Hände kennen. Wenn der Vater von der Arbeit nach Hause kommt, sitzt er auf dem Balkon, raucht seine Zigaretten und trinkt das erste Bier und grübelt. Die Mutter bringt den Töchtern bei, dass Männer die Bier trinken, harmlos sind aber Männer die Schnaps trinken Ärger bedeuten. Für den schlimmsten Fall soll die Frau immer eine gepackte Tasche und verstecktes Geld haben. Die Mutter weiß, wovon sie redet. Ihr Mann ist Alkoholiker und Spieler. In seiner Familie ist das keine Seltenheit. Irgendwann geht er nicht mehr zur Arbeit und verliert seinen Job. Die Mutter arbeitet in einem Hotel in der Wäscherei und kümmert sich um den Haushalt einer alten Dame. Als Motte älter wird, tritt sie in die Fußstapfen ihres Vaters. Sie trinkt keinen Schnaps, aber süßes Zeug. Wenn sie betrunken ist, weiß sie oft nicht, was sie alles erzählt und gemacht hat. Auch ihr Freund ist Trinker und keine große Hilfe für Motte. Nur ihr Bruder kümmert sich täglich um sie. Eines Tages wird beim Vater Krebs diagnostiziert. Motte liebt ihren Vater trotz seiner Schwächen. Wenn er nüchtern war, konnte er lustig und erfinderisch sein. Jetzt wird er sterben und sie muss sich von ihm verabschieden. Gleichzeitig will sie mit dem Trinken aufhören.

Lena Schätte schrieb bereits mit 21 Jahren ihren ersten Roman „Ruhrpottliebe“. In den folgenden Jahren arbeitete sie als Psychiatriekrankenschwester. 2020 begann sie Literarisches Schreiben zu studieren. Heute betreut sie suchtkranke Menschen in Lüdenscheid und schreibt.
„Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ wurde für einen Romanausschnitt mit dem W.-G.-Sebald-Literaturpreis ausgezeichnet.
Ein großartiger Roman über eine Familie, die sich durch den Alltag kämpft. Ganz nah dran an den Menschen. Absolut empfehlenswert!

Text: Jutta Engelmayer
Lena Schätte – Das Schwarz an den Händen meines Vaters, HC,24€
S. Fischer, 978 3 10 397657 1

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Elizabeth George – Wer Zwietracht sät http://radiolounge.radiolounge.online/elizabeth-george-wer-zwietracht-saet/ http://radiolounge.radiolounge.online/elizabeth-george-wer-zwietracht-saet/#respond Tue, 16 Dec 2025 16:03:34 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2776 Der Unternehmer Michael Lobb wird ermordet in seiner Werkstatt gefunden. Die Polizei ermittelt zunächst in zwei Richtungen. Eine Firma will in Cornwell Lithium mit einer für die Umwelt unschädlichen Methode abbauen. Dafür versuchen sie Land im großen Maßstab aufzukaufen. Auch Michael Lobb gehörte zu den Landbesitzern, die von der Firma kontaktiert wurden. Er hatte kein Interesse zu verkaufen. Hier könnte ein Tatmotiv liegen. Die zweite Richtung in den Ermittlungen befassen sich mit dem familiären Umfeld des Ermordeten. Michael Lobb war in zweiter Ehe mit einer wesentlich jüngeren Frau Kayla verheiratet. Für sie hatte er seine erste Ehefrau und seine zwei Kinder verlassen. Auch der Bruder des Toten fällt in den Fokus der Ermittler. Der Landbesitz von Michael Lobb stellt ein beträchtliches Erbe dar.
Plötzlich gerät auch Thomas Lynley in den Fokus. Der Familienlandsitz in Cornwell benötigt durch einen Wasserschaden eine größere Reparaturarbeit. Zusammen mit dem Hausverwalter sucht Lynley nach einer Finanzierungsmöglichkeit. Dabei trifft er auf die Firma Cornwell Eco Mining. Die Firma die auch in der Ermordung von Michael Lobb im Visier der Polizei steht. Grund genug das sich die Londoner Kommissare Thomas Lynley und Barbara Havers in die Ermittlungen einschalten.

Die US-Amerikanerin Elizabeth George ist eine der erfolgreichsten Kriminalautorinnen. Ihre Krimis sind very british und ihr Ermittlerteam Lynley und Havers sind seit vielen Jahren beliebt.
Bekannt ist die Autorin für ihre hervorragende Ausarbeitung der Charaktere und den Schauplätzen. Auch im neuen Fall wird die idyllische Landschaft Cornwells üblen Machenschaften gegenübergestellt. Die Charaktere und deren Verknüpfung untereinander sind präzise dargestellt. Im neuen Fall steigen die Ermittler Lynley und Havers erst relativ spät in die Handlung ein. Die Autorin nimmt sich viel Zeit für die Vorgeschichte des Ermordeten und seinem Umfeld. Das erscheint etwas langatmig. Auch die Beziehungs Probleme von Lynley ziehen sich immer wieder allzu problematisch durch die Krimis. Ansonsten ist der Kriminalroman spannend und empfehlenswert.

Text: Jutta Engelmayer
Elizabeth George – Wer Zwietracht sät, HC, 28€
Goldmann, 978-3-442-31768-4

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Robert Galbraith – Der Tote mit dem Silberzeichen http://radiolounge.radiolounge.online/robert-galbraith-der-tote-mit-dem-silberzeichen/ http://radiolounge.radiolounge.online/robert-galbraith-der-tote-mit-dem-silberzeichen/#respond Tue, 16 Dec 2025 16:00:04 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2773 Als in einem Tresorraum eines Silberhändlers eine verstümmelte Leiche gefunden wird, geht es nicht gleich um die Tätersuche. Der Ermordete ist schwer zu identifizieren. Es gibt mehrere vermisste Personen auf die die Opferbeschreibung passen könnte. Die Polizei ist unsicher, legt sich auf einen verurteilten Straftäter fest. Zusätzlich zum Leichenfund wird ein Silberschatz vermisst. Der Besitzer des Geschäfts hat sich auf Freimaurersilber spezialisiert und vor dem Leichenfund wurde eine wertvolle Lieferung in den Tresorraum eingelagert. Vom Silber fehlt jede Spur. Die Detektei von Cormoran Strike und Robin Ellacott wird von Decima Mullins um Hilfe gebeten. Sie glaubt das es sich bei der Leiche um ihren Freund handelt. Der ist spurlos verschwunden. Strike übernimmt den Fall. Obwohl seine Klientin fest überzeugt ist, dass es sich bei der Leiche um ihren Freund handelt, muss Strike sich auch um die anderen Möglichkeiten zur Identität des Toten befassen. Der Fall entwickelt sich als kompliziert und sehr aufwendig. Zusätzlich hat Strike weitere Probleme. Es gibt einflussreiche Personen, die ihn über die Presse diskreditieren wollen. Das kann seine mühsam aufgebaute Detektei gefährden und damit auch die Zukunft seiner Geschäftspartnerin Robin Ellacott. Außerdem ist ihm klar geworden, dass er für Robin mehr als nur Freundschaft empfindet. Robin steckt in einer Beziehung, die sich zu verfestigen scheint. Strike setzt sich deshalb unter Druck. Er befürchtet das Robin in Kürze einen Heiratsantrag erhält und er sie damit auch als Partnerin verlieren könnte.

Robert Galbraith ist das Pseudonym von J.K. Rowling. Mit den Detektiven Cormoran Strike und Robin Ellacott ist ein außerordentliches Dreamteam entstanden. Inzwischen ermitteln sie in ihrem 8. Fall. Auch dieser Roman ist seht umfangreich. Auf mehr als 1200 Seiten wird nicht nur ein mysteriöser, undurchsichtiger Fall entwickelt, sondern auch die sehr komplexe Beziehung zwischen Robin und Cormoran. Wie bereits von Galbraith bekannt, wird die Story sehr detailliert dargestellt. Aufgrund des hervorragenden Erzählstils versinkt man regelrecht in diesem umfangreichen Roman. Leider ist diese ausführliche Erzählweise bisweilen auch anstrengend. Zu viele Personen tragen zur Verwirrung bei. Man muss sich immer wieder in Erinnerung rufen wer wohin gehört. Bemerkenswert wie immer die hervorragenden Charakterbeschreibungen und Plots. Fazit: Ein faszinierendes Buch darf gern umfangreich sein.

Text: Jutta Engelmayer
Robert Galbraith – Der Tote mit dem Silberzeichen, HC, 32€
blanvalet, 978-3-7645-0959-0

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„Der Tag vor der Revolution“ – Ursula K. Le Guins Vermächtnis an die Utopie http://radiolounge.radiolounge.online/der-tag-vor-der-revolution-ursula-k-le-guins-vermaechtnis-an-die-utopie/ http://radiolounge.radiolounge.online/der-tag-vor-der-revolution-ursula-k-le-guins-vermaechtnis-an-die-utopie/#respond Tue, 09 Dec 2025 16:15:59 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2769 Ursula K. Le Guin zählt zu den wichtigsten Stimmen der modernen Science-Fiction und zu den Autorinnen, die das Genre zu einem Ort politischer Ideen gemacht haben. Die neu aufgelegte Ausgabe von „Der Tag vor der Revolution“ führt das eindrucksvoll vor Augen. Es handelt sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten, die auf den ersten Blick sehr verschieden wirken: mal futuristisch, mal poetisch, mal fast schon mythologisch. Doch ein genauer Blick zeigt, dass sie alle von einem gemeinsamen Gedankenkern durchdrungen sind. Le Guin fragt darin immer wieder: Wie leben wir eigentlich zusammen? Und wie könnten wir anders leben? Fragen, die in den Zeiten dystopischer Science-Fiction Literatur immer seltener gestellt werden.

Im Mittelpunkt der titelgebenden Geschichte steht Laia Asieo Odo, die geistige Mutter einer anarchistischen Bewegung. Sie hat Gedanken formuliert, die eine Welt verändern – und steht nun als alte Frau am Ende ihres eigenen Weges. Ursula K. Le Guin zeichnet sie nicht als gefeierte Heldin, sondern als verletzlichen Menschen. Schmerz, Erinnerungen, Zweifel begleiten sie an einem Tag, der vielleicht der letzte ihres Lebens sein könnte – oder der erste einer Revolution. Die Erzählung ist leise, aber voller Kraft. Sie zeigt, dass politisches Denken immer im Inneren beginnt, in den alltäglichen Fragen nach Gerechtigkeit, Nähe und Freiheit.

All das macht deutlich, warum Le Guin der sogenannten „Soft Science-Fiction“ zugerechnet wird. Ihre Literatur ist nicht von Technik angetrieben, sondern von anthropologischer und ethnologischer Neugier. Sie erforscht Gesellschaft, Sprache und kulturelle Vorstellungen. Die Kurzgeschichten dieses Bandes bilden zusammen ein Mosaik ihrer wichtigsten Ideen. Manche davon sind eng mit ihren bekannten Romanwelten verknüpft, etwa mit dem „Planet der Habenichtse“. Andere öffnen neue Räume oder erzählen kleine, intime Lebensmomente. In dieser Vielfalt bleibt immer der Blick auf die Menschen spürbar – auf all jene, die träumen, zweifeln, scheitern und dennoch weiterdenken. Insbesondere der teilweise originelle Blickwinkel macht viele der Kurzgeschichten zu einem interessanten und erkenntnisreichen Vergnügen.

Zur Person:

Ursula K. Le Guin wurde 1929 in Kalifornien geboren und verstarb 2018 in Portland, Oregon. Ihre Laufbahn ist geprägt von ihrem wissenschaftlichen Hintergrund: Als Tochter eines Anthropologen hinterfragte sie stets gesellschaftliche Normen und entwickelte literarische Visionen für gerechtere Zukünfte. Werke wie „Die linke Hand der Dunkelheit“ oder die Erdsee-Romane machten sie weltberühmt und trugen wesentlich dazu bei, Science-Fiction und Fantasy als ernstzunehmende Weltliteratur zu etablieren.

„Der Tag vor der Revolution“ vereint nun noch einmal, was Le Guin ausmacht: die politische Überzeugung, dass eine bessere Welt denkbar ist, und die tiefe Menschlichkeit, mit der sie ihren Figuren begegnet. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass jede Veränderung im Kleinen beginnt – vielleicht in einem einzigen Gedanken, der die Zukunft schon in sich trägt.

Ursula K. Le Guin – Der Tag vor der Revolution ist bei Fischer Tor als Hardcover erschienen (784 Seiten mit Lesebändchen) und kostet 36€.
ISBN 978-3-596-71087-4

Text: Ulf Engelmayer

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Elly Griffiths – Manche Schuld vergeht nie http://radiolounge.radiolounge.online/elly-griffiths-manche-schuld-vergeht-nie/ http://radiolounge.radiolounge.online/elly-griffiths-manche-schuld-vergeht-nie/#respond Tue, 09 Dec 2025 16:07:58 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2766 Eine neue Serie der britischen Erfolgsautorin Elly Griffiths.

Ali Dawson ist Kriminalbeamtin. Sie arbeitet in einer streng geheimen Sondereinheit. Ali ist fünfzig Jahre alt und alleinerziehende Mutter eines Sohns. Der ist erwachsen und hat einen Job in hohen politischen Kreisen. Sein Chef ist der Justizminister Isaac Tempelton. Der hat höhere Ambitionen für seine weitere politische Karriere. Einen Schatten auf die weiße Weste des Ministers könnte sein Ururgroßvater werfen. Der lebte in der Mitte des 19. Jahrhundert, im Viktorianischen Zeitalter. Dieser Urahn soll Mitglied eines Männerzirkels gewesen sein, dessen Aufnahmebedingung der Mord an einer Frau gewesen sein soll. Ein Frauenmörder in der Familiengeschichte von Isaac Tempelton könnte seine Bestrebungen nach höheren Positionen zunichte machen. Der Justizminister wendet sich an die Abteilung von Ali Dawson. Diese geheime Ermittlungseinheit ist in der Lage in die Vergangenheit zu reisen. Ali bekommt den Auftrag ins viktorianische Zeitalter zu reisen und Ermittlungen aufzunehmen. Ist Tempeltons Ururgroßvater ein Mörder? Kaum im Jahr 1850 angekommen begegnet Ali Cain Tempelton in einem Zimmer mit einer ermordeten Frau. Das Opfer heißt Ettie Moran und war das Modell eines Malers. Cain Tempelton ist der Hausbesitzer und Vermieter der Zimmer. Alis Ermittlungen starten bereits direkt nach ihrer Ankunft. Obwohl sie zeitgemäß eingekleidet und frisiert wurde, ist ihre Aussprache und ihr Auftreten als Frau auffällig. Cain ist von Ali fasziniert. Ihr bleibt nicht viel Zeit, denn sie muss ihren Ankunftsort präzise zu einem festen Zeitpunkt aufsuchen, sonst funktioniert ihre Rückreise ins 21. Jahrhundert nicht. Etwas geht schief und Ali ist im 19. Jahrhundert gefangen. Währenddessen geschieht in der Gegenwart ein brisanter Mord. Schnell wird ein Verdächtiger gefunden. Es ist Ali Dawsons Sohn.

Elly Griffiths ist eine britische Bestsellerautorin. Sie wurde in UK und den USA mit Preisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Brighton. Ihre bekannteste Serie sind die Krimis mit der Archäologin Dr. Ruth Galloway. Jetzt eine neue Serie die sich mit Zeitreisen befasst. Ali Dawson ist eine Frau die nichts geschenkt bekommen hat. Ihre knallrot gefärbten Haare zeugen von ihrer Eigenwilligkeit. Obwohl sie alleinerziehende Mutter ist, hat sie es geschafft eine Ausbildung zur Kriminalbeamtin zu machen. Ihr Sohn arbeitet für die Regierung. Die Zeitreisen sind streng geheim und stecken noch in den Kinderschuhen. Der Autorin hat mit Ali Dawson eine Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen geschaffen, die von Anfang an sympathisch daherkommt. Zeitreise Romane sind nichts Neues, aber der Autorin ist mit dieser Protagonistin ein guter Auftakt gelungen.

Text: Jutta Engelmayer
Elly Griffiths – Manche Schuld vergeht nie, PB,17€
Tropen, 978 3 608 50295 4

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Charlie Mackesy – Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs, das Pferd und der Sturm http://radiolounge.radiolounge.online/charlie-mackesy-der-junge-der-maulwurf-der-fuchs-das-pferd-und-der-sturm/ http://radiolounge.radiolounge.online/charlie-mackesy-der-junge-der-maulwurf-der-fuchs-das-pferd-und-der-sturm/#respond Mon, 08 Dec 2025 13:06:50 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2760 Endlich wieder ein Bilderbuch mit wunderbaren poetischen Texten von Charlie Mackesy. Die vier Freunde ziehen gemeinsam durch die Landschaft und sind froh sich zu haben. Sie wissen nicht, wohin sie gehen oder was sie suchen. Eines Tages ziehen dunkle Wolken am Himmel auf. Der Junge hat Angst und fühlt sich nicht sehr tapfer. Der aufkommende Sturm nähert sich bedrohlich. Das Pferd beruhigt den Jungen, er soll immer daran denken, wer er ist. „Jemand der geliebt wird“. Tröstende Worte, doch der Sturm wird schlimm. Der Junge wird im Kampf gegen den Wind müde, die Sicht wird immer schlechter und er verliert im Getöse seine Freunde. Als der Sturm sich verzieht ist der Junge allein. Doch erinnert er sich an die vielen Gespräche mit seinen Freunden. Er weiß das er geliebt wird. Ein guter Grund durchzuhalten. Allein auf sich gestellt denkt er daran, wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben. Als die Freunde sich wiederfinden ist die Freude groß und der Junge hat gelernt das Stürme vorüber gehen.

Charly Mackesy ist Cartoon Zeichner, Buchillustrator und Schriftsteller. Es hat lange gedauert bis dieser Folgeband erschienen ist. Der Grund ist laut Aussage des Künstlers schlimm. Ihm wurde sein iPad mit den Ideen zum Folgebuch gestohlen. Vielleicht konnten ihm in dieser schwierigen Zeit die Freunde helfen. Dazu passt das Zitat auf dem hinteren Buchdeckel des neuesten Werks: „Eines Tages schaust du zurück und erkennst, wie schwer es war und wie gut du es gemacht hast“. Ein Buch voller Poesie das zum Nachdenken anregt und immer griffbereit abgelegt werden sollte.

Text: Jutta Engelmayer
Charlie Mackesy – Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs, das Pferd und der Sturm, HC, 25€
Penguin, 978-3-328604648

 

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Markus Thielemann – Von Norden rollt ein Donner http://radiolounge.radiolounge.online/markus-thielemann-von-norden-rollt-ein-donner/ http://radiolounge.radiolounge.online/markus-thielemann-von-norden-rollt-ein-donner/#respond Tue, 02 Dec 2025 11:06:37 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2755 Ein etwas anderer Heimatroman aus der Lüneburger Heide.
Jannes ist Schäfer im Familienbetrieb. Bereits seine Großeltern trieben die Schafe über die Heide. Jannes mag seinen Beruf. Er kann selbstständig arbeiten und ist weitestgehend sein eigener Herr. In der Heide gibt es nicht viele Berufe, die man ausüben kann. Traditionell ist der Beruf des Schäfers immer noch vorhanden. Die besondere Landschaft muss gepflegt werden, damit die Touristen auch weiterhin die Heideblüte erleben können. Außer dem Tourismus gibt es noch das Militär. Die Idylle ist umgeben von Truppenübungsplätzen. Der Wolf ist zurück, der Feind von Viehhaltenden Bauern. Die Menschen im Dorf diskutieren aufgeregt. Aber es geht nicht nur um die Reaktionen gegen oder für die Wölfe. Alte Ideologien tauchen wieder auf und treffen auf fruchtbaden Boden. Die Alten haben gelernt zu schweigen, neue Menschen haben sich angesiedelt. Die Lüneburger Heide ist geschichtsträchtig und eine urdeutsche Landschaft. Geprägt durch Theodor Storm und alten Sagen. Jannes ist ein Teil von ihr und während er seine Schafe hütet, wandern seine Gedanken. Er sieht Dinge, die eigentlich nicht real sein können.

Markus Thielemann ist Jahrgang 1992. Er lebt in Hannover. Der Autor studierte Geografie und Philosophie und literarisches Schreiben. Seine Ausbildung kommt diesem Buch zugute. Das Buch stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.
Markus Thielemann führt den Leser in eine Landschaft, die von wunderschön bis mystisch daherkommt. Wie kann ein junger Mensch in der heutigen Zeit den Beruf eines Schäfers ausüben? Tradition und Wirklichkeit leben dicht beieinander. Ein Heimatroman ohne Kitsch, aber mit viel Aktualität, großartig beobachtet und erzählt.

Text: Jutta Engelmayer
Markus Thielemann – Von Norden rollt ein Donner, TB,16€
C.H.Beck, 978-3-406837364

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Lina Schwenk – Blinde Geister http://radiolounge.radiolounge.online/lina-schwenk-blinde-geister/ http://radiolounge.radiolounge.online/lina-schwenk-blinde-geister/#respond Tue, 02 Dec 2025 10:58:48 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2751 Lina Schwenk erzählt die Familiengeschichte von Olivia die in den 50er Jahren in Deutschland angesiedelt ist. Eigentlich herrscht im Land Frieden, aber das erwachsene Umfeld kämpft mit den Geistern der Geschichte. Immer wieder muss Olivia mit ihrer Schwester und den Eltern im Keller übernachten. Der Vater hat den Keller als Rückzugspunkt eingerichtet. Er überprüft immer wieder akribisch die Lebensmittelvorräte, sorgt dafür das alles für Notfälle vorhanden ist. Der Ernstfall wird immer wieder gelebt. Selbst der Sportlehrer in der Schule lässt die Kinder für den Ernstfall in selbst gebaute Schützengräben kriechen. Die blinden Geister der Erwachsenen haben sie auf das Leben ihrer Kinder übertragen. Nur mühsam gelingt es Olivia sich davon zu befreien.

Lina Schwenk war Krankenschwester und arbeitete in der medizinischen Flüchtlingshilfe. Sie studierte Medizin und ist als Ärztin tätig. Dieses Buch geht unter die Haut, in den Kopf und trifft das Herz. Erinnerungen an die eigene Familiengeschichte werden wach. Die Gedanken fangen an zu wandern. So viele Menschen haben ihre blinden Geister. Nicht umsonst ist dieses Werk mehrfach für Preise nominiert worden. Die Aktualität ist besorgniserregend. Ein Buch für jede Generation, zum Erinnern und zum Verstehen.

Text: Jutta Engelmayer
Lina Schwenk – Blinde Geister, HC,16€
C.H.Beck, 978 3 406 83704 3

 

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Natalie Amiri – Der Nahost-Komplex http://radiolounge.radiolounge.online/natalie-amiri-der-nahost-komplex/ http://radiolounge.radiolounge.online/natalie-amiri-der-nahost-komplex/#respond Tue, 18 Nov 2025 14:14:26 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2763 Ein Buch, das aufrüttelt: Warum „Der Nahost-Komplex“ jetzt wichtiger ist denn je
Ob Israel, die palästinensischen Gebiete im Westjordanland und in Gaza, die aktuellen Entwicklungen in Syrien, Libanon und im Iran: Natalie Amiris Buch „Der Nahost-Komplex“ geht dahin, wo es schmerzt. Der Untertitel ihrer Reportage „Von Menschen, Träumen und Zerstörung“ gibt die Richtung vor. Es geht um die Menschen in dieser von Kriegen, Vertreibung und Vernichtung geprägten Region. Einer Region, in der Generationen aufgewachsen sind, die den Begriff Frieden nur abstrakt kennen. Deswegen ist das Buch mehr als eine Analyse politischer Konflikte. Es ist eine eindringliche Einladung, unseren Blick auf eine Region zu schärfen, die in Europa meist nur durch besagte Krisen, Schlagzeilen und vereinfachte Narrative wahrgenommen wird. Amiri – erfahrene Journalistin, langjährige Iran-Expertin und Nahost-Korrespondentin – führt ihre Leser*innen nah an die Menschen, ihre Geschichten, ihre Hoffnungen und die Strukturen, die sie prägen.

Mit beeindruckender Sachkenntnis und erzählerischer Tiefe zeigt sie, wie eng Europa und der Nahe Osten miteinander verwoben sind – kulturell, politisch und wirtschaftlich. Das Buch bietet sowohl fundiertes Hintergrundwissen als auch persönliche Einblicke, die komplexe Zusammenhänge verständlich, berührend und nachvollziehbar machen.

Warum sollten Menschen dieses Buch lesen?

  • Um Komplexität zu begreifen: Amiri räumt mit Schwarz-Weiß-Denken auf und zeigt die vielen Grautöne, die politische und gesellschaftliche Dynamiken im Nahen Osten bestimmen.
  • Um besser informiert zu sein: Wer Medienberichte kritischer einordnen möchte, erhält hier wertvolle Hintergründe und historische Kontexte.
  • Um Empathie zu entwickeln: Die persönlichen Eindrücke und Begegnungen machen das Buch menschlich und nah – und schaffen Verständnis für die Lebensrealitäten vor Ort.
  • Um globale Zusammenhänge zu verstehen: Amiri zeigt, wie sehr europäische Politik, Migration und globale Machtverhältnisse mit den Entwicklungen im Nahen Osten verknüpft sind.

„Der Nahost-Komplex“ ist daher ein wichtiges Buch für alle, die unsere Welt – und die Krisen darin – wirklich verstehen wollen. Geschrieben von einer Journalistin, die sich vor Ort ein umfangreiches Bild über den Nahost Komplex verschafft hat.

Das Buch ist erschienen im Penguin Verlag, 416 Seiten und kostet als Hardcover Ausgabe 25 €.
ISBN 978-3-328-60452-5

Text: Ulf Engelmayer
Bewertung ****

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