C.H.Beck http://radiolounge.radiolounge.online Thu, 08 Aug 2024 16:22:59 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.2 http://radiolounge.radiolounge.online/wp-content/uploads/2019/08/cropped-D29CE3C1-BECD-409B-B54D-D65F3F37549C-1-32x32.png C.H.Beck http://radiolounge.radiolounge.online 32 32 Markus Thielemann – Von Norden rollt ein Donner http://radiolounge.radiolounge.online/markus-thielemann-von-norden-rollt-ein-donner/ http://radiolounge.radiolounge.online/markus-thielemann-von-norden-rollt-ein-donner/#respond Tue, 02 Dec 2025 11:06:37 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2755 Ein etwas anderer Heimatroman aus der Lüneburger Heide.
Jannes ist Schäfer im Familienbetrieb. Bereits seine Großeltern trieben die Schafe über die Heide. Jannes mag seinen Beruf. Er kann selbstständig arbeiten und ist weitestgehend sein eigener Herr. In der Heide gibt es nicht viele Berufe, die man ausüben kann. Traditionell ist der Beruf des Schäfers immer noch vorhanden. Die besondere Landschaft muss gepflegt werden, damit die Touristen auch weiterhin die Heideblüte erleben können. Außer dem Tourismus gibt es noch das Militär. Die Idylle ist umgeben von Truppenübungsplätzen. Der Wolf ist zurück, der Feind von Viehhaltenden Bauern. Die Menschen im Dorf diskutieren aufgeregt. Aber es geht nicht nur um die Reaktionen gegen oder für die Wölfe. Alte Ideologien tauchen wieder auf und treffen auf fruchtbaden Boden. Die Alten haben gelernt zu schweigen, neue Menschen haben sich angesiedelt. Die Lüneburger Heide ist geschichtsträchtig und eine urdeutsche Landschaft. Geprägt durch Theodor Storm und alten Sagen. Jannes ist ein Teil von ihr und während er seine Schafe hütet, wandern seine Gedanken. Er sieht Dinge, die eigentlich nicht real sein können.

Markus Thielemann ist Jahrgang 1992. Er lebt in Hannover. Der Autor studierte Geografie und Philosophie und literarisches Schreiben. Seine Ausbildung kommt diesem Buch zugute. Das Buch stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.
Markus Thielemann führt den Leser in eine Landschaft, die von wunderschön bis mystisch daherkommt. Wie kann ein junger Mensch in der heutigen Zeit den Beruf eines Schäfers ausüben? Tradition und Wirklichkeit leben dicht beieinander. Ein Heimatroman ohne Kitsch, aber mit viel Aktualität, großartig beobachtet und erzählt.

Text: Jutta Engelmayer
Markus Thielemann – Von Norden rollt ein Donner, TB,16€
C.H.Beck, 978-3-406837364

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Lina Schwenk – Blinde Geister http://radiolounge.radiolounge.online/lina-schwenk-blinde-geister/ http://radiolounge.radiolounge.online/lina-schwenk-blinde-geister/#respond Tue, 02 Dec 2025 10:58:48 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2751 Lina Schwenk erzählt die Familiengeschichte von Olivia die in den 50er Jahren in Deutschland angesiedelt ist. Eigentlich herrscht im Land Frieden, aber das erwachsene Umfeld kämpft mit den Geistern der Geschichte. Immer wieder muss Olivia mit ihrer Schwester und den Eltern im Keller übernachten. Der Vater hat den Keller als Rückzugspunkt eingerichtet. Er überprüft immer wieder akribisch die Lebensmittelvorräte, sorgt dafür das alles für Notfälle vorhanden ist. Der Ernstfall wird immer wieder gelebt. Selbst der Sportlehrer in der Schule lässt die Kinder für den Ernstfall in selbst gebaute Schützengräben kriechen. Die blinden Geister der Erwachsenen haben sie auf das Leben ihrer Kinder übertragen. Nur mühsam gelingt es Olivia sich davon zu befreien.

Lina Schwenk war Krankenschwester und arbeitete in der medizinischen Flüchtlingshilfe. Sie studierte Medizin und ist als Ärztin tätig. Dieses Buch geht unter die Haut, in den Kopf und trifft das Herz. Erinnerungen an die eigene Familiengeschichte werden wach. Die Gedanken fangen an zu wandern. So viele Menschen haben ihre blinden Geister. Nicht umsonst ist dieses Werk mehrfach für Preise nominiert worden. Die Aktualität ist besorgniserregend. Ein Buch für jede Generation, zum Erinnern und zum Verstehen.

Text: Jutta Engelmayer
Lina Schwenk – Blinde Geister, HC,16€
C.H.Beck, 978 3 406 83704 3

 

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Henning Sussebach – Anna oder: Was von einem Leben bleibt http://radiolounge.radiolounge.online/henning-sussebach-anna-oder-was-von-einem-leben-bleibt/ http://radiolounge.radiolounge.online/henning-sussebach-anna-oder-was-von-einem-leben-bleibt/#respond Tue, 05 Aug 2025 11:28:52 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2695 Henning Sussebach, Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT, macht sich auf eine ganz persönliche Zeitreise. Anna ist seine Urgroßmutter. Geboren in der Mitte der 19. Jahrhunderts, gestorben 1932. Viel stand ihm für seine Suche nicht zur Verfügung. In seiner Familie waren noch persönliche Dinge von Anna vorhanden: Fotos, ein Kaffeeservice, Postkarten, ein Verlobungsring und ein Poesiealbum. Auch Erinnerungen und mündliche Übertragungen in der Familie. Ein Jahr dauerten seine Recherchen. Ein Leben zu rekonstruieren ist nicht einfach. Es bleiben archivierte Dokumente wie Anzeigen von Geburten, Hochzeiten, Todesfällen, Auszüge aus Katasterämtern. Historisch belegte regionale und überregionale Begebenheiten können hilfreich sein. Daraus Rückschlüsse über das Leben eines Menschen herzustellen, erfordert Geduld, Interpretationsvermögen und Fantasie. Manches wird immer im Verborgenen bleiben. Das Wesen eines Menschen verliert sich im Lauf der Zeit. Henning Sussebach gibt in dieser Geschichte seiner Urgroßmutter ein Leben zurück. Eine hart arbeitende, willensstarke Frau, die es schafft trotz Schicksalsschlägen ihr Leben selbst zu gestalten und zu lieben, wen sie will. Bereits der Anfang ist wie ein Vorspann für einen Film. Die Kulisse ist aufgebaut, die Figuren sind platziert. Man wartet auf die Anweisung: Film ab. So geht schreiben. Nicht umsonst ist der Autor mit vielen Journalistenpreisen ausgezeichnet worden.

Text: Jutta Engelmayer
Henning Sussebach – Anna oder: Was von einem Leben bleibt, HC, 23€
C.H.Beck 978-3-406-83626-8

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Uwe Wittstock – Marseille 1940 http://radiolounge.radiolounge.online/uwe-wittstock-marseille-1940/ http://radiolounge.radiolounge.online/uwe-wittstock-marseille-1940/#respond Tue, 06 Aug 2024 16:16:34 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2506 Der Journalist und Autor hat mit „Marseille 1940“ ein bewegendes Buch über die Geschichte intellektueller Migranten in Südfrankreich geschrieben. In der von Deutschen Militärs unbesetzten Zone von Vichy bis Marseille, von Pau bis Menton, haben sich tausende von Flüchtlingen aus dem deutschsprachigen Raum versammelt. Sie alle hoffen, Frankreich in Richtung Portugal verlassen zu können, oder auf anderen Wegen in die Freiheit zu kommen. Die unbesetzte Zone wird verwaltet vom sogenannten Vichy Regime unter dem Autokraten Marshal Petain. Auch wenn dieser Teil Frankreichs von den deutschen nicht besetzt ist, gibt es doch eine enge Kooperation mit den Sicherheitsdiensten der Nazis. In Marseille ist mittlerweile unter dem amerikanischen Journalisten Varian Fry eine US-Hilfsorganisation tätig, um Wege zu finden, deutsche Intellektuelle außer Landes zu bringen. Ganz oben auf der Liste steht der Schriftsteller Lion Feuchtwanger, der in einem französischen Internierungslager gefangen ist. Die Stadt Marseille wird zum Mittelpunkt aller Fluchtbemühungen. Varian Fray und seine Mitstreiter riskieren oft ihr Leben, um Flüchtlinge über die spanische Grenze zu bringen. Nicht alle schaffen es, manche geraten in deutsche Gefangenschaft oder nehmen sich das Leben. So wie der Schriftsteller Walter Benjamin, dem es aber vorher gelingt, Hannah Arendt seinen letzten Essay zu übergeben, bevor er zur Flucht aufbricht. Viele Namen und Schicksale nehmen in diesem Buch Gestalt für die Leser*innen an. Anna Seghers, die mit ihren Kindern zu Fuß von Paris in die besetzte Zone flieht. Heinrich Mann, der in Nizza Zuflucht gefunden hat. Der österreichische Schriftsteller Franz Werfel und seine Frau Alma Mahler-Werfel, die im Gepäck wertvolle Originalpartituren von Gustav Mahler und Anton Bruckner mit sich führen. Im Mittelpunkt des Buchs steht die Geschichte von Varian Fry. Sein gut organisiertes Netzwerk in Marseille schaffte es, über 2000 Menschen vor den Nationalsozialisten zu retten. Über seine Organisation, das Emergency Rescue Committee (ERC) erhielt er finanzielle Mittel und Listen von Personen, denen er eine Ausreise ermöglichen sollte. Aufgrund der limitierten Ressoursen und den bürokratischen Hürden für eine schnelle Flucht in die Vereinigten Staaten, blieben Konflikte mit seinen Auftraggebern nicht aus.  Nach seiner Rückkehr in die USA konnte er dort nicht mehr richtig Fuß fassen und geriet zu seinen Lebenszeiten schnell in Vergessenheit. Erst posthum wurde an ihn in angemessener Weise erinnert. In Berlin Mitte wurde eine Straße nach ihm benannt, 1994 wurde Varian Fry bei den „Gerechten unter den Völkern“ in Israels Holocaust-Mahnmal Yad Vashem aufgenommen. Uwe Wittstocks Buch hat ihn jetzt aus dem Vergessen geholt und ihm ein literarisches Denkmal gesetzt. Ihm und vielen anderen berühmten Migrant*innen dieser Jahre in Frankreich. „Marseille 1940“ ist ein atmosphärisch   dichtes Buch, dass sehr gelungen diese vielen Geschichten und auch Anekdoten zu einem Handlungsstrang verbindet und ein sehr lebendiges Bild dieser Zeit zeichnet.  Viele teilweise unglaubliche Schicksale tun sich auf. Wie man versuchte auch in dieser Zeit ein intellektuelles Leben aufrecht zu erhalten, zeigt die Geschichte der Migrantengemeinschaft in der „Villa Air Bel“ in Marseille.
Das Buch von Uwe Wittstock steht nicht ohne Grund auf der Spiegel Bestsellerliste Ein Muss für jeden Literaturliebhaber. Es ist auch eine Warnung, Verhältnisse wie damals niemals wieder zuzulassen.


Text: Ulf Engelmayer
Bewertung 5*
C.H.Beck,  ISBN 978-3-406-81490-7, HC, 26€

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