Buchkritik http://radiolounge.radiolounge.online Tue, 28 Nov 2023 12:37:15 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.2 http://radiolounge.radiolounge.online/wp-content/uploads/2019/08/cropped-D29CE3C1-BECD-409B-B54D-D65F3F37549C-1-32x32.png Buchkritik http://radiolounge.radiolounge.online 32 32 Otto Waalkes – Ganz große Kunst – 75 Meisterwärke http://radiolounge.radiolounge.online/otto-waalkes-ganz-grosse-kunst-75-meisterwaerke/ http://radiolounge.radiolounge.online/otto-waalkes-ganz-grosse-kunst-75-meisterwaerke/#respond Tue, 28 Nov 2023 12:37:15 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2311 In der Otto Show von 1973, kam ein schmächtiger junger Mann mit einem riesigen, damals modernen Kragen unter seinem Pullover auf die Bühne. Dabei hatte er eine Gitarre. Er wollte dem Publikum Protestlieder vortragen. Es dauerte eine Weile bis er anfing zu singen. Zunächst redete er etwas unzusammenhängend, aber er hatte bereits die ersten Lacher mit seinen Wortspielereien auf seiner Seite. Das ist 50 Jahre her, man mag es kaum glauben, wie erfolgreich die Karriere dieses jungen Mannes werden sollte. Zu der Zeit studierte er bereits Malerei und Kunstpädagogik. Jetzt gab der Heyne Verlag ein Buch mit 75 Meisterwärken von Otto Waalkes heraus. Und wirklich – Meisterwärke mit „ä“ ist kein Schreibfehler. Die Bilder werden chronologisch nach ihrer originalen Entstehungszeit vorgestellt. Von der Höhlenmalerei bis zur modernen Kunst. Der Betrachter ist erstaunt. Da sieht das Mammut auf der Höhlenwand dem Ottifanten sehr ähnlich und die Statuen auf den Osterinseln haben plötzlich einen Rüssel. Einige Seiten weiter liegt plötzlich, statt eines ermordeten Jean Paul Marat, ein im 21. Jahrhundert bekannter Komiker in der Badewanne. Otto Waalkes ist der Ansicht, dass der Ottifant in der Abendländischen Malerei zu kurz gekommen ist. Das hat sich mit diesem Buch geändert. Als Modell ist der Ottifant unglaublich vielseitig. Glaubhaft schwingt er mit dem Rüssel die Tricolore, schmiegt sich statt der üblichen Perle als Ohrring an das Gesicht eines Mädchens und macht als Denker eine Ottifigura. Als Goldhelmträger sieht er allerdings etwas erdrückt aus. Vielleicht trägt er lieber ein Baseballcap. Ist es frevelhaft weltberühmte Kunst, wenn auch mit Änderungen nachzumachen bzw. neu zu interpretieren? Wahrscheinlich nicht, denn die Änderungen sind offensichtlich. Es macht Spaß die Bilder anzuschauen und die Änderungen zu suchen. Denn oft ist der Ottifant perfekt in das Gemälde integriert. Beispiel ist „Schattenspiel“ nach Mark Kostabi, „Cobranetics“ oder „Bridge Over Silent Water“ nach Claude Monet, „Seerosen und japanische Brücke“. Zu jedem Bild gibt es Geschichten und Gedichte. Ein Buch mit hohem Unterhaltungswert. Schmunzeln ist garantiert, aber es entsteht auch Bewunderung für die Darstellung. Diese Spielereien muss man sich erst einmal ausdenken, bevor sie auf der Leinwand verewigt werden. Mit diesen Kunstwerken beweist Otto Waalkes wieder einmal, was für ein genialer Schelm er ist.

Text: Jutta Engelmayer
Otto Waalkes – Ganz große Kunst, PB, 26,-€
Heyne, 978-3-453-21861-1

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Bonnie Garmus – Eine Frage der Chemie http://radiolounge.radiolounge.online/bonnie-garmus-eine-frage-der-chemie/ http://radiolounge.radiolounge.online/bonnie-garmus-eine-frage-der-chemie/#respond Tue, 28 Nov 2023 12:29:42 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2308 Elizabeth Zott ist eine schöne und intelligente Frau. Eine schlechte Kombination Anfang der 60iger Jahre. Elizabeth ist Chemikerin und arbeitet im Hastings Forschungsinstitut. Als Wissenschaftlerin ist sie dort nicht anerkannt und wird als Labortechnikerin beschäftigt. Für sie ein täglicher Alptraum. Im Hastings herrscht eine Männergesellschaft, Gleichberechtigung ist Anfang der 60iger Jahre ein Fremdwort. Frauen arbeiten dort eher in der Verwaltung. Eines Tages lernt Elizabeth den Wissenschaftler Calvin Evans kennen. Er verliebt sich in die selbstbewusste Frau und entdeckt ihre exzellenten Kochkünste. Calvin ist auf seinem Gebiet eine Koryphäe und bringt dem Institut große Summen Forschungsgelder ein. Er hat sein eigenes Forschungslabor. Ansonsten gilt er als eigenwilliger Charakter. Elizabeth zieht in Calvins Haus ein. Heiraten möchte sie nicht, die Unabhängigkeit ist ihr wichtiger. Eines Tages zieht ein Hund bei Ihnen ein. Ein großes unansehnliches Tier der nach der Zeit seiner Ankunft Halbsieben genannt wird. Sie redet mit ihm wie mit einem Menschen und notiert sich, wie viele Wörter er verstehen lernt. Im Forschungsinstitut wird Elizabeth von vielen Wissenschaftlern um Rat gefragt, wenn Experimente nicht gelingen. Sie erkennt Fehler und verbessert sie. Dann zerstört ein Unfall Elizabeth privates Glück. Plötzlich ist sie allein, unverheiratet und schwanger. Sie bekommt eine Tochter. Im Institut ist das für ihren Chef die Gelegenheit sie endlich loszuwerden. Zum Glück kann sie das Haus behalten. Sie lässt die Küche in ein Labor umbauen und forscht dort weiter. Einige der Wissenschaftler aus dem Hastings Institut kommen zu ihr ins Haus und lassen sich von Elizabeth fachlich unterstützen. Sie nimmt dafür ein Entgelt an, aber ihre finanzielle Situation wird immer schlechter. Ihre Tochter ist intelligent und lernt früh lesen. Elizabeth gibt ihrer Tochter täglich selbst zubereitetes, nahrhaftes Essen mit in die Schule. Trotzdem nimmt Madeleine nicht zu. Das Kind gibt ihr leckeres Essen an ein anderes Mädchen ab. Elizabeth nimmt Kontakt zu dem Vater dieses Kindes auf und beschwert sich darüber. Als der Mann Elizabeth das erste Mal trifft ist er davon überzeugt sie für seine Kochshow „Essen um sechs“ einzustellen. Zunächst weigert sich Elizabeth, sie ist schließlich Wissenschaftlerin, aber sie hat ein Kind und benötigt das Geld. Elizabeth Zott hat ihre eigenen Bedingungen für die Kochshow. Sie möchte den Frauen nicht nur Kochen beibringen, sondern sie auffordern ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Der Sender ist entsetzt, doch die Show ist erfolgreich.
Die in London lebende Kalifornierin Bonnie Garmus hat mit ihrem Erstlingswerk „Eine Frage der Chemie“ einen Bestseller geschrieben. Das Buch wurde in über 40 Ländern veröffentlicht. Auch in Deutschland wurde der Roman zum Spiegel Jahresbestseller. Jetzt hat der Piper Verlag eine optisch sehr gelungene, limitierte Schmuckausgabe mit zwei Bonuskapiteln herausgebracht. Bonnie Garmus stellte ihr Buch im Rahmen des Göttinger Literaturherbst im Deutschen Theater vor. Zunächst hatte die Autorin Elizabeth Zott nur eine kleine Nebenrolle mit drei Sätzen zugedacht. Als Bonnie Garmus einen schlechten Tag auf der Arbeit hatte, dachte sie an diesen außergewöhnlichen, strukturierten Charakter. Damit bekam Elizabeth eine Hauptrolle im Buch. Mit Chemie hatte die Autorin bislang nichts zu tun. „Ich wollte eine Frau schaffen, die nicht nur Tütchen öffnet, sondern was zu sagen hat“, so die Autorin. Das ist Bonnie Gamus exzellent gelungen. Elizabeth ist eine Frau mit eigenem Kopf, die vielen auf die Nerven geht, aber Recht hat. Dabei gelingt es der Autorin schwierige Themen wie Sexismus leicht und unterhaltend in Balance zu halten. Ein weiterer wichtiger Charakter in diesem Roman ist ein Hund. Sein Name ist Halbsieben. Er sieht, was alles passiert, und hat seine eigenen Ansichten dazu. Ein Buch das unbedingt gelesen werden sollte – von Frauen, Männern und Hunden.

Text: Jutta Engelmayer
Bonnie Garmus, geb, 26,-€
Piper, 978-3-492-07600-5

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Alex Beer – Felix Blom – Der Schatten von Berlin http://radiolounge.radiolounge.online/alex-beer-felix-blom-der-schatten-von-berlin/ http://radiolounge.radiolounge.online/alex-beer-felix-blom-der-schatten-von-berlin/#respond Tue, 07 Nov 2023 13:05:42 +0000 http://radiolounge.radiolounge.online/?p=2288 Der Winter in Berlin im Jahr 1879 ist eiskalt. Felix Blom, ehemaliger Meisterdieb von Berlin und die frühere Prostituierte Mathilde Voss haben vor acht Monaten eine Detektei gegründet. Sie leben im Krögel, einem heruntergekommenen Wohnblock mitten in Berlin. Dort befindet sich auch ihr Büro. Sie sind fast bankrott. Die Lage ihrer Detektei zieht keine zahlungskräftigen Kunden an. Jetzt droht auch noch der Abriss ihrer armseligen Unterkunft. Felix und Mathilde ziehen sich ihre besten Kleidungsstücke an und machen sich auf die Suche nach lukrativen Fällen. Durch Zufall belauscht Felix Blohm ein Gespräch. Die Gruft eines kürzlich verstorbenen Professors wurde aufgebrochen. Gestohlen wurde nichts. Nur ein zerbrochener Leuchter und Blutspuren wurden am Tatort gefunden. Selbst die Türen der Gruft wurden nicht aufgebrochen. Die Polizei wird nicht ermitteln. Felix besucht die Witwe des Verstorbenen und bietet seine Hilfe an. Endlich hat die Detektei einen neuen Fall. Kurz darauf wird ein Kleinganove brutal ermordet. Die Fälle scheinen einen Zusammenhang zu haben. Felix Blohm kennt sich mit Einbrüchen aus. Er weiß das es in Berlin Handwerker gibt, die Nachschlüssel, sogenannte Tanteln, anfertigen können. Felix besucht den Tantelmacher, den er noch aus seiner Zeit als Gauner kennt. Der alte Mann ist aber aufgrund einer schweren Handverletzung nicht mehr in der Lage Tanteln herzustellen. Wer in Berlin beherrscht dieses Handwerk noch? Felix Blohm macht sich auf die Suche nach seinem alten Mentor Arthur Lugowski. Der ist einer der großen Gangsterbosse in Berlin. Mathilde und Felix geraten ungewollt zwischen rivalisierenden Gangsterbanden. Die Ermittlungen werden durch die Polizei zusätzlich erschwert. Als ehemaliger Häftling steht Felix Blohm immer noch unter Beobachtung.
Die in Wien lebende Autorin Alex Beer hat mit ihrer Reihe um den Kriminalinspektor August Emmerich Bestseller geschrieben, die mit einigen Preisen ausgezeichnet wurden. Die neue Reihe mit dem Detektiv Felix Blohm spielt in Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Im ersten Band „Der Häftling aus Moabit“ wurde dieser neue Charakter eingeführt. Er war ein genialer Meisterdieb, der nur durch Verrat von der Berliner Polizei verhaftet werden konnte. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis stand er vor dem Nichts. Mathilde Voss hatte ein Leben als Prostituierte hinter sich gelassen. Nachdem die beiden sich im Wohnblock Krögel kennengelernt hatten, beschlossen sie mit einer Detektei einen Neustart zu beginnen. Ein gerissenes Schlitzohr trifft auf eine charmante Dame mit großer Lebenserfahrung. Dieser Background der beiden Protagonisten macht neugierig. So war der erste Band der Felix Blom Reihe bereits erfolgreich. Der 2. Band entstand nach einer wahren Begebenheit. Die Autorin entdeckte in einer alten Zeitung einen Hinweis auf einen Einbruch ohne Diebstahl in eine Gruft. „Felix Blohm – Der Schatten von Berlin“ hat das Potential zu einem Bestseller.

Text: Jutta Engelmayer
Alex Beer – Felix Blom – Der Schatten von Berlin, PB, 18,-€
Limes, 978-3-8090-2764-5

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